In Nummer 16 der „Zeit“ veröffentlichten wir einen Überblick über die französischen Demontagen in Baden. Von unterrichteter Seite der betroffenen Industrie werden uns noch detaillierte Angaben über die Beschlagnahme zur Verfügung gestellt, die wir nachstehend auszugsweise veröffentlichen.

Der Industrieplan, an dem auch Frankreich mitgewirkt hat, sieht für die optische und feinmechanische Industrie Deutschlands künftig 80 v. H. des Produktionsvolumens von 1936 vor. Gerade die besonders arbeitsintensiven Produkte dieser Industrie sind wichtig für den deutschen Export; außerdem muß der dringende Bedarf der Bevölkerung an Erzeugnissen der Medizinmechanik, der Krankenpflege, der Augenoptik befriedigt werden. Industrie und Handwerk brauchen Kontroll- und Meßgeräte, Waagen, Reißzeuge und anderes mehr.

Ein großer Teil der Industrie wurde durch direkte Kriegseinwirkungen zerstört, weitaus der größte Teil jedoch in Ostdeutschland demontiert? Zeiß (Jena), die große optische Industrie in Rathenow u. a. Fast die halbe feinmechanische und optische Kapazität im französisch besetzten Baden wurde ebenfalls demontiert. Um diese schweren Ausfälle – in erster Linie wurden die größten und leistungsfähigsten Werke betroffen – auch nur einigermaßen ausgleichen und das Niveau von 1938 Zu 80 v.H. erreichen zu können, müßte die verbleibende Industrie ihre Kapazität erheblich ausdehnen. Von allen. Produktionsschwierigkeiten ganz abgesehen, könnte die Industrie heute, nicht einmal den knappen Raum ausfüllen, den der Industrieplan gelassen hat. Dabei ist zu berückrichtigen, daß Feinmechanik und Optik wichtige Zulieferer für andere Produktionszweige (Fahrt zeugbau, die Uhren- und Elektroindustrie) sind.

Bei Kriegsende betrug der Maschinenbestand aller Mitgliedsfirmen der badischen Fachvereinigung der feinmechanischen und optischen Industrie insgesamt 10 240 im Wert von 20 280 939 RM; davon waren schon beschlagnahmt und abtransportiert 2155 im Wert von 7 895 443 RM; Maschinen bis zu 10 Jahren sind jetzt noch vorhanden 3532 im Wert von 7 940 935 RM; Maschinen von 10 bis 15 Jahren sind noch vorhanden 595 im Wert 919 148 RM; Maschinen über 15 Jahre 3958 im Wert von 3 525 413 RM.

Da vorausgesetzt werden kann, daß die bisher beschlagnahmten Maschinen durchweg weniger als 10 Jahre alt waren, da nur hochwertige Maschinen entnommen, wurden, sind 38 v.H. der Zahl und 50 v. H. des Wertes aller Maschinen unter 10 Jahren bereits abgezogen worden. Gerade die jüngeren Maschinen sind aber die Hauptträger der Produktionskraft, sie machten 78 v.H. vom Wert des Maschinenbestandes aus. Die bisherigen Verluste haben die gesamte Kapazität also bereits um 45 bis 50 v.H. gemindert. Die erneut angeordnete Beschlagnahme, die ausdrücklich nur die neuen Maschinen unter 10 Jahren betreffen soll, würde die Kapazität auf rund 40 v. H. verringern.

f. w.