Vierzig Jahre wartete Korea auf seine Befreiungvon der politischen Bevormundung und denkolonialen-Methoden der Japaner. Mit ihrer Niederlage schien es vor der Verwirklichung seiner Wünsche zu stehen. Da erlegtendie USA, Großbritannien, UdSSR und China den Koreanern ein Statutauf, in welchem die Großmächte sich verpflichteten, während fünfjähriger SchutzherrschaftKorea derUnabhängigkeit entgegenzuführen. Die UdSSR und die Vereinigten Staaten bezogen je eine Besatzungszone und bestimmtenden 38. Breitengrad als Trennungslinie beiderEinfluß-Sphären. Seitdem ist im industriellen Norden ein typischer Sowjetstaatin der Entwicklung begriffen während die Amerikaner versuchen, in ihrer meist von Bauern besiedelten Südzone Selbstverwaltungskörperschaften einzurichten. Bemühungen der USA, vertreten durch den Gouverneur in Südkorea, General Hodge, einen „Eisernen Vorhang“ und damit die Spaltung des Landes nicht. aufkommen zu lassen, schlugen fehl. Die russischen Kontrollorgane Notdkoreaswürdigten Hodge keiner Antwort.

AußenministerMarshall hat nun während der Moskauer Konferenz in einem Brief an Molotow die koreanische Frage persönlich nocheinmal angeschnitten. Er schlägt vor, ein Datum festzulegen,bis zu welchem endlich die Vereinigte Kommission die im März 1946 geschaffen wurde, ihre Arbeit aufnehmen soll. Dieser „Alliierte Kontrollrat“ Koreas hat die Aufgabe, einen Plan zur Einsetzung einer freien gesamtkoreanischen Regierung auszuarbeiten. „Andernfalls“, so schrieb Marshall weiter, „sehen die USA keine andere Möglichkeit, als unverzüglich in ihrer eigenen Zone jene Maßnahmen zu treffen, die zur Verwirklichung des hierüber geschlossenen Abkommens notwendig sind“.

Die Koreaner widerstreben in beiden Zonen der Fremdherrschaft. Die Spaltung ergab eine Trennung der jungen und noch empfindlichen Industrien des Nordens von dem agrarischenSüden. Die augespannte Wirtschaftslage hat zu erheblichen Verteuerungen geführt. Vom Standpunkt der Koreaner ist es daher allein schon ein Gebot wirtschaftspolitischer Vernunft, die Vereinigung beider Zonen des Landes zu vollziehen. Aber die Lüftung des „Eisernen Vorhangs“, der bisher nur alle acht Tage zum Postaustausch angehoben wird, kann offenbar nur erfolgen, wenn es gelingen sollte, eine Klärung der Gegensätze zwischen den USA und Rußland in den grundsätzlichen weltumspannenden Fragen zu erreichen. –n