Nicht jeder kann einen Leibriemen tragen – also werden Hosenträger gebraucht. Und da uns der Standard der langen Strümpfe, mit eingewebtem Gummirand verlorengegangen ist und wir wieder. zu Socken-Trägern geworden sind, so werden auch Sockenhalter gebraucht Der Mängel an diesen (hoffentlich stets unsichtbaren) Notbehelfen der Männerkleidung ist aber heute erschreckend groß und, wenn wir recht unterrichtet sind, so ist die Versorgungslage auf dem Gebiet der Damenstrumpfhalter genau so prekär. Die „Fachvereinigung Hosenträgerindustrie Nordrhein“, eine Gliederung der Wirtschaftsvereinigung Bekleidungsindustrie, beklagt sich z. B. darüber, daß ihre Erzeugnisse in dem „Pfennigartikelprogramm“ der Zweizonenwirtschaft nicht berücksichtigt werden, obwohl sie nicht minder wichtig seien als beispielsweise Schnürsenkel und Gummiband, die einen Platz in jenem Programm gefunden hätten. Man braucht nicht darüber zu rechten, ob Hosenträger, Socken- und Strumpfhalter „Pfennigartikel“ im engeren Wortsinne sind; es bedarf jedoch keines Beweises, daß sie in der Skala der Bedürfnisse einen gewissen Rang einnehmen, wenn man nicht gerade den Lebensstandard eines Buschnegers zugrunde legt.

Wie aber steht es mit der Erzeugung? Die Antwort kann nur lauten: schlecht. Bis vor kurzem hat es an Materiallieferungen für die Herstellung völlig gefehlt. Es mangelt an allen Ecken und Enden, obwohl die Herstellerbetriebe es sich längst abgewöhnt haben, in den Verarbeitungsstätten wählerisch zu sein, wenn nur ausreichende Mindestanforderungen erfüllt werden. Zunächst sind Spinnstoffe nötig. Es känn Kunstseide oder Zellwolle oder Baumwolle sein, wobei wir bemerken möchten, daß zur Entlastung der knappen Spinnkäpazität (das gilt für die gesamte Web- und Wirkwarenindustrie) die noch zu verspinnende Zellwollflocke hinter der gleich gut verwebbaren Kunstseide vorerst zurücktreten muß. Die Hosenträgerindustrie ist sich dessen bewußt, daß die Baumwollspinnereien der britischen Zone nicht einmal. die bisherigen Auflagen für den wirtschaftswichtigen Sonderbedarf fristgerecht bewältigen können. Sie fragt deshalb in Erkenntnis der Lage, warum die stilliegenden Kunstseidenwerke nicht in Betrieb gesetzt werden. Die schwierigen Engpässe in Zellstoff und Kohle sprachen bisher ein Machtwort, während sich der Mangel an Schwefelkohlenstoff für das Viskoseverfahren etwas gemildert hat. Selbst Betriebe der amerikanischen Zone, wo die Zellstoffversorgung nicht so angespannt ist wie im britisch besetzten Gebiet, haben unlängst aus Kohlenmangel stillegen müssen. Ohne Zufuhr von nordischem Zellstoff kommen wir aus dem Rohstoffengpaß nie völlig heraus, auch nicht in der Zweizonenwirtschaft. Auf die nordischen Lieferungen, für die sich auch die Besatzungsmächte einsetzen, richten sich die Hoffnungen der Industrie synthetischer Fasern. Es ist nur die Frage, ob der technische, sanitäre und sonstige wirtschaftswichtige Bedarf dem „normalen“ Verbraucher vorerst noch soviel belassen wird, daß die Hosenträger-, Socken- und Strumpfhalterindustrie. dessen Bedürfnisse befriedigen kann.

Aber mit dem Spinnstoff allein ist es nicht getan. Auch Gummifäden, Leder und Metall werden gebraucht. Die Versorgung mit diesen Stoffen ist nicht besser. Die Gummifädenfabrik in Höxter (Weser) kann den Bedarf an Gummifäden nicht befriedigen. Die bedeutenden Kölner Gummifädenfabriken aber warten noch auf Betriebsgenehmigung; ihre Lieferungen könnten sehr zur Erleichterung beitragen. Bei dem von den Hosenträgerfabriken gebrauchten Leder tut sich gleichfalls ein Engpaß auf. Wo bleiben die Lederabfälle, mit denen man durchaus zufrieden wäre? – Es geht hier offenbar wie mit den Lumpen; sie verschwinden in dunklen Kanälen und werden als kostbarer Schatz gehortet oder „bestenfalls zu Tauschzwecken benutzt. Der legitime Handel, sieht wenig davon, die verarbeitende Industrie noch weniger.

Die wirtschaftliche Lage der Hosenträger-, Sockenhalter- und Damenstrumpfhalterindustrie ist infolge all jener Hindernisse zur Zeit wenig erfreulich. Nur mit Behelfen, und hier und da gestützt auf einige Vorräte, die freilich völlig zur Neige gehen, ist überhaupt, noch ein Wirtschaften möglich. Die heutige Ausnutzung der Kapazitäten dürfte im Durchschnitt bei rund einem Drittel der vollen Leistungskraft liegen. H. A. N.