Die Zigarette ist durch den Krieg auf den Thron erhoben und in manchem Land sogar zu einer Währung geworden. Hohe Kursgewinne locken wenn man für Zigaretten in Ländern der "Zigarettenwährung" Photoapparate, Juwelen und andere Dinge des gehobenen Lebensstandards kauft und in Ländern mit solider Währung verkauft, Gut ein Jahr bewegte sich die Notierung bei kaum nennenswerten Schwankungen um 6 RM. Seit Anfang April steigt die Zigarette im Kurs, und in den kommenden Wochen wird der Preis sicher noch anziehen, denn in der britischen Zone gehört die Zigarette bald zu den "knappen" oder "harten" Devisen. Ein wichtiger Lieferant wird mehr und mehr ausfallen: Großbritannien. Schon seit einiger Zeit fließt von dort nicht mehr ein so reicher Strom wie früher. Künftig wird sich das Angebot noch mehr verknappen, denn der vom Schatzkanzler Hugh Dalton unterbreitete Haushaltsvoranschlag brachte eine Erhöhung des Tabakzolls um 50 v. H. Der Preis für 20 Zigaretten stieg auf 3 s 4 d gegen 2 s 4 d vorher und 1 s 1 d vor diesem Krieg. Auf die alte Goldparität des Jahres 1931 umgerechnet kostet eine Zigarette jetzt fast 17 Pfg. Diese Erhöhung des Zigaretten- und Tabakpreises ist für den Mann des britischen Volkes eine bittere Enttäuschung und ein schwerer Schlag, aber für Großbritannien eine finanzpolitische und vor allem eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit. Mögen einige nüchterne Zahlen sprechen und das Schicksal Großbritanniens im Lichte der Zigarettenwährung veranschaulichen. Bei einem Volkseinkommen von 8 Mrd £ und Verbrauchsausgaben von 66 Mrd. im Jahre 1946, steht unter den Ausgabenposten nach Lebensmitteln(1650 Mill. £), Alkohol (680) und Kleidung (611), der Tabak mit 603 Mill. an vierter Stelle vor den Ausgaben für die Wohnung (538). Im verflossenen Jahr wurden mehr als 110 000 Tonnen Tabak meist in Form von Zigaretten  (gegen 85 000 vor dem Kriege) verraucht oder am Devisenmarkt umgesetzt. Der Verbrauch ist also um etwa ein Drittel gestiegen, obgleich der Tabakzoll seit der Kriegszeit von 9 s 6 d auf 35 s 6 d vor der jetzt erfolgten Erhöhung für ein englisches Gewichtspfund heraufgesetzt wurde. Der große Verdiener ist dabei der Staat denn von 680 Mill. Pfund, die im Rauch aufgehen, flossen im letzten Haushaltsjahr 446 Mill. in die Staatskasse.

Dem Finanzminister bereitet aber trotz dieser hohen Einnahmen die Leidenschaft des Rauchens erhebliche Sorgen, weil der "Siedlerstolz" in Großbritannien noch unbekannt ist, der Tabak also eingeführt werden muß. Für diesen einzuführenden Tabak mußten 1946 rund 65 Mill. £ (nach alter Goldparität 1,3 Mrd. Mark) an Devisen aufgebracht werden, hiervon 56 Mill. an den so knappen Dollars, 32 v. H. der britischen Wareneinfuhr aus den USA entfallen auf Tabak, auf Maschinen dagegen nur 5 v. H. und auf Rohstoffe 11 v. H. Von den 325 Mill £, die Großbritannien von der Amerikaanleihe bisher abgehoben hat, ist ein ansehnlicher Teil in Rauch aufgegangen, im edelen Wettstreit übrigens mit den Ausgaben für amerikanische Filme... Großbritannien hat kürzlich in Washington mitgeteilt, daß es sich diesen Luxus der Tabakeinfuhr nicht mehr leisten kann. Aber die amerikanischen Tabakpflanzer sind schließlich eine Macht und werden es nicht hinnehmen, wenn Großbritannien, das etwa die Hälfte der amerikanischen Tabakausfuhr aufnimmt, seine Tabakeinfuhr umlagert oder einschränkt. Sie werden auf den britisch-amerikanischen Handelsvertrag des Jahres 1938, der die Vorzugszölle zugunsten des Tabakbaues in den überseeischen Teilen des britischen Weltreiches praktisch aufhob auf den Anleihevertrag und das geplante Weltliandelsgesetz hinweisen, wenn Großbritannien durch diskriminierende Methoden oder durch Beeinflussung der Zigarettenfabriken die Tabakeinfuhr aus den Dollarländern zugunsten der Einfuhr aus Pfundgebieten einschränkt. Außerdem ist der Anbau von Tabakplantagen bei den Qualitätsansprüchen des englischen Rauchers nicht von heute auf morgen möglich.

So bleiben nur zwei Wege: Um Dollars zu sparen, muß der Verbrauch an Zigaretten entweder durch Rationierung oder durch stärkere Besteuerung beschränkt werden. Der Schatzkanzler Dalton entschied sich für die Zollerhöhung auf Tabak. 30 Mill. $ will er einsparen, wenn, wie er hofft der Tabakverbrauch infolge dieser Verteuerung um ein Viertel zurückgeht. Der Tabakzoll macht gut ein Achtel der Einnahmen aus. Die Gesamteinnahmen werden im Haushaltsvoranschlag für 1947/48 mit 3429 Mill. £, angegeben, die Ausgaben mit 3181 Mill £, so daß ein Überschuß von 248 Mill. £ verbleibt gegenüber einem Fehlbetrag von 569 Mill. £ in dem am 31. März abgeschossenen Haushaltsjahr 1946/47. Dieser Ausgleich des Haushalts ist eine ansehnliche Leistung und ein Zeichen der innerfinanziellen Stärke Großbritanniens, wenn auch eine kritische Prüfung zeigt, daß die Einnahmen nicht-steuerlichen Charakters in Höhe von 453 Mill. zum größtenTeil einmalige sind, an sich also ein Fehlbetrag vorliegt. Buchmäßig machen aber die Einnahmen 108 v, H. der Ausgaben aus gegen 53 v. H. vor drei Jahren. Dies ist zu einem wesentlichen Teil eine automatische Folge des Kriegsendes, denn die Ausgaben für die Verteidigung konnten gegenüber dem Vorjahr um 754 auf 899 Mill. gesenkt werden. Deutschland und Österreich erfordern im neuen Haushaltsjahr noch 86 Mill. Pfund und damit 33 Mill. weniger als im vorigen Jahr.

Die Steuerschraube ist scharf angezogen; aber das Budget ist keineswegs nach orthodoxen fiskalischen, sondern nach modernen konjunkturwirtschaftlichen Gesichtspunkten aufgestellt werden. Wirtschaftsteuerung durch Steuerwirtschaft, diese von Wagemann 1932 geprägte Schlagwort, kennzeichnet nicht nur den Tabakzoll. Dalton hat den Haushalt nicht so sehr ins Gleichgewicht gebracht, um der Welt zu zeigen, daß die inneren Finanzen Großbritanniens gesund sind, sondern vor allem, weil die volkswirtschaftliche Lage es erfordert. Nach Meinung des Schatzkanzlers sind zur Zeit als an