Von JanRae

Unter Leitung von J. Edgar Hoover, dem Chef des Federal Bureau of Investigation, dem die amerikanische Bundespolizei untersteht, wird zur Zeit in Amerika eine Reinigung des Verwaltungsapparates von „unamerikanisch“ gesonnen nen Personen durchgeführt. Dieses Vorgehen, das im Gegensatz zu den in Europa üblichen Ansichten über die „freieste Demokratie der Welt“ steht, wird im folgenden seinem Ursprung und seiner Durchführung nach geschildert.

Gegen Ende des ersten Weltkrieges war J. Edgar Hoover junger Anwalt in Washington, Eine einer ersten bedeutenden Aufgaben war es, eine Großrazzia zu veranstalten und jene unerwünschten Elemente auszuheben, die offen zugaben, daß es ihr Ziel sei, die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika durch Gewalt zu stürzen. Als im Jahre 1919 die „Internationalen Arbeiter der Weit“ (1. W. W.) die Erde mit Agenten überschwemmten, um da, wo es ihnen politisch zweckmäßig erschien, Unruhen, Streiks und sogar Morde zu inszenieren, war es Hoovers Aufgabe, als Assistant Attorney General ein wachsames Auge auf sie zu haben, Unheil zu verhüten und dort, wo. es auftrat, gegen die Täter vorzugehen. Dann folgte das, was jetzt in amerikanischen Geschichtsbüchern unter dem Namen die „Rote Jagd“ (Red Hunt) bekannt ist

350 Menschen, die den einzigen Weg zur Rettung der Weit in direkter Aktion zu sehen glaubten, wurden an einem Tage im Jahre 1919 in Chikago, New York, San Francisco und neun weiteren Städten festgenommen. Die Stadtgefängnisse waren an diesem Tage überfüllt. Die meisten dieser Leute waren Mitglieder einer weitverzweigten Körperschaft, die sich Union Russischer Arbeiter nannte. Die Mehrzahl von ihnen bestand aus Ausländern. Anfang Januar 1920 planten regionale Geheimagenten einen erneuten anti-roten Vorstoß in Washington und anderen Hauptstädten. Diesmal erstreckte sich ihre Arbeit in vierzig Städten auf Klubhäuser, politische Versammlungen und Privathäuser. Sie nahmen bei dieser Gelegenheit 3000 Menschen in Überfallautos mit, um sie über verschiedene. Punkte zu verhören. Alle waren Mitglieder der kommunistischen Partei. Eine große Anzahl von ihnen wurde kurz darauf, ausgewiesen, und der „Rote Schrecken“ begann langsam. abzuwarten.

In den Nachwehen des zweiten Weltkrieges zeichnen sich heute in Amerika ähnliche Ereignisse ab, wie sie nach dem ersten auftraten. Von einem „Roten Schrecken“ kann man zwar noch nicht sprechen –, bis jetzt jedenfalls nicht –, doch besteht, wachsende Besorgnis. Kongreßmitglieder und örtliche Politiker, die zu wissen glauben, was in ihren Städten und Großstädten vorgeht, beginnen laut zu verkünden, daß es ein Unglück geben müsse, wenn nicht bald etwas getan würde. Das Department of Justice in Washington, dem die berühmten „G“ Men unter Hoovers Führung beigeordnet sind, wird mit dringenden Bitten überschwemmt, zu handein, zu handeln und nochmals zu handeln, Hoover selbst hat klar ausgesprochen, daß er an die „Gefahr“ glaube.

In seiner Rede bei der letzten, Zusammenkunft der American Legion in San Francisco (die American Legion ist die älteste und mächtigste Körperschaft ehemaliger Soldaten in den Vereinigten Staaten) bezeichnete Hoover die kommunistischen Umtriebe eben mit diesem Wort und versprach, daß etwas unternommen werden, würde, um die Gefahr zu bannen. Er wies darauf hin, daß, wenngleich die kommunistische Partei auch nicht mehr als 100 000 Mitglieder zähle, auf jedes aktive Mitglied wenigstens zehn Mitläufer kämen, die bereit wären, in Aktion zu treten, wann immer sie gebraucht würden. Diese rangierten vom kleinen Neuling, der bereit sei, einen Abend lang im örtlichen Parteibüro Briefumschläge zu kleben, bis zu „Front-Leuten“, die eifrig bemüht seien, alles, was die Partei bekanntgeben will, unter Benutzung scheinbar harmloser Organisationen zu veröffentlichen, die in Wirklichkeit „Fronten“ der kommunistischen Partei darstellten.

Das jedenfalls behauptet Hoover. Er hat in den Kriegsjahren einige Erfahrung in diesen Dingen gesammelt. In seinem Washingtoner Hauptquartier hat er Millionen von Unterlagen über Leute jeder Lebensstellung. Diese Archive wurden während eines nationalen Notstandes eingelichtet, als es dem Staate erforderlich schien, Bewerberfür die Kriegsindustrie oder diese oder jene Waffengattung dahingehend zu überprüfen, ob sie auch keine geheimen Sabotage- oder umstürzlerische Ideen im Kopfe hätten.