Als erstes europäisches Land hat Norwegen nach diesem Kriege eine private Anleihe in New York auflegen können. Es sind zwar nur 10 Mill. $, zu verzinsen mit 3 1/2 v. H. und rückzahlbar in zehn Jahren, aber es ist ein bemerkenswerter Anfang. Die Anleihe ist zugleich ein günstiges Zeichen der Kreditwürdigkeit Norwegens, das stets seine Auslandsverpflichtungen erfüllt hat und auch seine Londoner Regierung während des Krieges aus eigener Kraft hatte finanzieren können.

Damit beginnt eine neue Etappe der amerikanischen Kapitalhilfe. Die erste Etappe waren die Leihpachtlieferungen im Nettobetrage von 43 Mil- . liarden $ und die anderen Zuschüsse verschiedenster Art vor allem über die UNRRA, die zweite Etappe die Kredite der Export-Import-Bank und anderer Institute, wie der RFC, sowie zur Finanzierung des Kaufes überschüssiger Kriegsmaterialien. Auch diese Etappe ist im wesentlichen abgeschlossen. Von der allgemeinen Kreditlinie der Export-Import-Bank von 3,5 Mrd. $ stehen, nur noch 900 Mill. zur Verfügung, von denen 500 Mill. China zugesagt sind. Die Frankreich im Mai vorigen Jahres gewährte Anleihe von 650 Mill. wird als die letzte große bezeichnet. Im zweiten Halbjahr 1946 beliefen sich die neuen Kredite auf 54 Mill. gegen 1157 Mill. $ im ersten Halbjahr. Österreich und Italien möchten neben China aber auch noch zum Zuge kommen. Ein Sonderfall war die 3,75-Mrd.-$-Anleihe für Großbritannien.

Die dritte Etappe sollte die Weltbank sein. Seit Sommer vorigen Jahres strömen dort die Anleihegesuche ein, insgesamt 2,3 Mrd. $. Jedoch hatte die Weltbank bisher einen sehr schlechten Start. Der neue Präsident McCloy ist nun etwas optimistischer. Auch er verhehlt die Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung nicht. Bei einem vorgegebenen, nur zum Teil eingezahlten und auch zum Teil nur als Garantiesumme gedachten Eigenkapital von 1,55 Mrd. $ muß sich die Weltbank für die Gewährung von Anleihen selbst Gelder durch Auflegung von Obligationen beschaffen. Hierfür kommt fastnur der amerikanische Markt in Frage. Dieser ist aber wenig geneigt, Anleihen zu übernehmen, die als Risikogrenzfälle gelten. Die Weltbank kann somit nicht großzügig sein. Nur zwei Anleihen sind in Aussicht gestellt worden. Frankreich soll 200 Mill. $ erhalten, während es ursprünglich 750 Mill. vorgeschlagen und dann 500 Mill. offiziell beantragt hatte. Dänemark soll 50 Mill. $ bekommen. Um die Anleihegesuche Polens von 600 Mill. und der Tschechoslowakei von 350 Mill. $ ist es recht still geworden.

So muß wieder einmal der Steuerzahler einspringen. Er wird die 400 Mill. $ aufbringen müssen, die für die Türkei und Griechenland vorgesehen sind, ferner die 350 Mill. $, die als allgemeine Hilfsgelder vom Präsidenten Truman beantragt wurden, und wohl auch die Summen, die Hoover zugunsten Deutschlands und Österreichs vorgeschlagen hat.

Mancher europäische Staat betrachtet sich als genügend stark und gesund, um auf diese Form – der Unterstützung verzichten zu können. Vor allem Belgien, die Niederlande und Norwegen wollen Amerikas Kredithilfe nur im Rahmen eines regulären Kreditgeschäfts und keineswegs als „arme Verwandte auf der Basis der Wohltätigkeit“ in Anspruch nehmen. Belgien und die Niederlande stießen dabei auf erhebliche Schwierigkeiten. Norwegen hat es jetzt geschafft.

Mit besonderem Interesse wird der Zeichnungsverlauf in Großbritannien verfolgt. Denn auch Großbritannien denkt an private Anleihen.

Schon in verschiedenen Meldungen hieß es, daß der Kredit Großbritanniens in der Wallstreet unerschüttert sei und die großen New Yorker Finanzhäuser bereitwilligst Anleihen geben würden. Entsprechende Verhandlungen haben ohne Zweifel stattgefunden. Manche Meldung läßt sogar ein nervöses Drängen Großbritanniens erkennen. Bei der Beurteilung derartiger Kreditwünsche – ist vor allem zu beachten, daß bei der gegenwärtigen zahlungsbilanzmäßigen Lage Auslandsanleihen der USA in Höhe von 7 bis 8 Mrd. $ notwendig sind, wenn die USA die Ausfuhr auf der gegenwärtigen Höhe halten wollen. drgr.