Ein Vortrag von Prof. J. F. Angelloz

In den Tagebuchblättern des französischen Musikschriftsteller, Dichters, und Dramatikers Romain Rolland, die er später mit Erlänteningen und Ergänzungen versah, kann man verfolgen, wie der wahrscheinlich größte und verständnisvollste Freund, den wir Deutschen in Frankreich vor und zwischen den beiden Kriegen hatten,immer größere Enttäuschungen über die politische Rückentwicklung – in Deutschlanderlebte. Dennoch blieb darin im letzten das Vertrauen an seine guten Geister erhalten, deren Wirken der Dichter in ihren großen Vertretern erkannt hatte. Und der en den beschämenden Ereignissen jener häßlichen Jahre nicht unmittelbar beteiligt gewesene deutsche Freund dieses großenFranzosenvernahm in jenen Tagebuchblättern die Sprache eines im tiefsten Verzeihenden. Wie einem Abgesandten des großherzigen Idealisten lauschte er darum den tief-"schöpfenden – Ausführungen eines Mittlers, die Professor" Joseph François Angelloz darbot. Im großen HörsaaldesVölkerkundemuseums zu Hamburg umschloß Angelloz – Professor für deutsche Sprache und Literstur an der Universität Caen. undbekannt als französischer Rilke-Spezialist – in seinem Vortrag des Dichters weite geistige Beziehungen zu den Kulturen Europas, von denen er der deutschen eine besondere Neigung entgegenbringt. Sie. wurzelte in der Freundschaft mit Malvida von Meyenburg und nährte, den Idealismus Rollands in der geistigen Berührung mit AlexanderHerzen, Richard Wagner und Friedrich Nietzsche, ihnen namentlich verdankt er jene Erkenntnisse, die im Gesamtbild des geistigen Europas das anzuerkennende von dem abzulehnenden "Deutschtum" zu trennen rotwendig machen. So gelten dem "besseren Deutschland" seine Aufsätze und gelegentlichen Schriften, namentlich aber "Beethoven, l’âme etl’art" und Jean Christophe". – "Mein Herz ist. wie ein Pantheon, in allen Nischen-stehen Bildnisse" derer, die er verehrt. Ob sieh-auch die von Politikern darunter befinden? "Die Politiker sind die Barbaren der Kultur",sagt Rolland.

Wirkönnen von den Franzosen nicht erwarten, daß sie uns nach einem barbarischen Hitler-Krieg so schnell verzeihend die Hand reichen. Aber wir wünschen und hoffen im Sinne einer endlichen Versöhnung beider Völker, daß sie sich im Geist Rollands über alles Trennende hinweg wieder einander nähern. A. N.