Sicher wird uns mancher sagen: ,Ihr habt euch die Sache sehr leicht gemacht. Mit Filmen, wie "Sag die Wahrheit", die ja immer schon gemacht wurden, käme man dem Geschmack des Publikums – entgegen. Aber den neuen deutschen Film habe man sich doch ganz anders vorgestellt. Nun – wirhalten es nicht gerade für falsch, den Menschen das zu geben, was sie heute brauchen: befreiende Heiterkeit und Lachen." – "Wenn man schon entschlossen ist, alles ernst zu nehmen – warum nimmt man dann nicht das Heitere ernst? Ist es nicht eine ernste Aufgabe, die Menschen, eingedenk dessen, was hinter ihnen und was vor ihnen liegt, lachen zu machen, damit sie mit gutem Mut und guter Laune sich den besseren Weg freimachen, den sie gehen wollen? Wir haben, mit tausend Schwierigkeiten kämpfend, diesen Film in so guter.Laune gedreht, daß wir nur wünschen, daß die Zuschauer später mit der gleichen guten Laune ihren Heimweg aus dem Kino antreten..." – Der Zuschauer wird zwischen gelangweilte Sportsnobs in elegante Klubräume und Boudoirs gelockt und mit Eheskandälchen unterhalten." – Menschen bevölkern die Leinwand,die uns fremder erscheinen als Steinzeitbewohner. Grundsätzlich ist nichts gegen heitere Filme einzuwenden, sehr viel aber gegen leichte. Leichte Filme – das klingt verdächtig. Man denkt an leichte Ware und an Leichtsinn. Leichtsinn sollte sich aber nur der leisten, der etwas zu verschwenden hat. Hat der neue deutsche Film etwas zu verschwenden?"

Das ist eine Blütenlese von Meinungen zu einem der ersten deutschen Filme nach dem Kriege, der jetzt auch in Hamburg (Capital) anlief, es sind Äußerungen des Herstellers, des Regisseurs und einige kritische Stimmen aus Berlin. Wo ist nun die Wahrheit? In diesem mitTempo und Schwung servierten Filmulk voller Gage und handfester Situationskomik (Regie: Helmut Weiß. Darsteller: Gustav Fröhlich, Mady Rahl, Ingeborg, von Kusserow, Sonja Ziemann, Georg Thomalla, Aribert Wäscher, Max Gülstorf †, Wolfgang Dohnberg, Wilhelm Bendow) wird nicht immer logisch, aber eifrig bewiesen, wie ein Mann, der sich vornimmt, die reine Wahrheit zu sagen, im – hochkomfortablen – Irrenhaus landet. Sie reicht zwar nicht gerade zurück in die Steinzeit, ist aber doch wohl reichlich von gestern, diese laute Ermunterung zur Lüge und zur Illusion. Uns würden vorläufig die leisen Töne besser anstehen, der feine Humor und eine wahrhaftige Art, unseren neuen Lebensstil zubeleuchten und unsere beschwerliche, außerordentliche, aufregende Welt, in der es – das sei zugestanden – nicht nur Trümmer, doch kaum parfümierte Boudoirs, nicht nur Leid, doch auch keinen lauten Jux, aber, hier und da doch auch noch Freuden gibt, die beglücken können.

Erika Müller