Während bisher Anträge auf Preiserhöhungen in den Grundstoffindustrien durchweg abschlägig beschieden und solche der weiterverarbeitenden Industrie in der Regel durch die Reduzierung der "Spannen" in den folgenden Stufen (einschließlich des Handels) aufgefangen wurden, sind – unlängst einige Preise für Rohstoffe so erheblich erhöht worden, daß die bisherige Handhabung des "zwischenwirtschaftlichen Ausgleichs nicht mehr möglich ist und sich die Preiserhöhung bis zum Verbraucher auswirkt. So betragen die Preise für Blei statt früher 220 RM nunmehr 675 RM, diejenigen für Rohzink statt 211 RM ebenfalls 675 RM, und der Kupferpreis würde von 735 RM auf 1000 RM (alles je t) erhöht. Auch die dem Kontrollrat vorgeschlagene Stahlpreiserhöhung um 54 RM je t oder um rund 50 v. H. des bisherigen Preises ist so hoch, daß die für die einzelnen Erzeugnisse sich ergebenden Preisdifferenzen nicht mehr durch Verarbeitung oder Handel getragen werden; können, sondern vom Verbraucher bezahlt werden, müssen. Die Frage liegt nahe, ob durch diese Entwicklung, die Nachwirkungen auf den verschiedensten Gebieten nach sich ziehen wird, das allgemeine Preisgefüge nicht in die Gefahr gerät, die bisher trotz aller Nebenerscheinungen gewahrte Stabilität zu verlieren und damit inflationistische Tendenzen anzunehmen.

Die Gründe, die zu den bisherigen. Preiserhöhungen Anlaß waren, sind in zwei Richtungen zu suchen. Einmal sind die zahlreichen Subventionen nach und nach in Fortfall gekommen. Das gilt z. T. für landwirtschaftliche Erzeugnisse, ferner für sämtliche Industrieerzeugnisse. So auch im Falle der Blei-, Rohzink- und Kupferpreise, wo die Subventionierung des Metallerzbergbaues aus den Förderungsprämien und dem Hüttenlohnausgleichsverfahren eingestellt wurde. Auch die Preise für andere, einheimische Erze, So für die Salzgitter- und Siegerländer Erze, werden jetzt in diese Erörterungen einbezogen, während die Frage einer Kohlenpreiserhöhung erst dann diskutierbar sein soll, wenn die Förderleistung Von 300 000 Tagestonnen einen Anhaltspunkt für die tatsächliche Kostenlage ergebe. Für die bisher aufgelaufene Verschuldung der Zechen ist eine "Zwischenlösung" getroffen worden.

Die zweite Gruppe der Preiserhöhungen umfaßt diejenigen Veränderungen, die auf eine Steigerung. der Kosten: zurückgehen. Wenige Beispiele mögen fürviele stehen. So verteuerte sich der Selbstkostenpreis für Roheisen infolge Fortfalls der schwedischen und lothringischen Erze und die Verwendung der eisenarmen Inlandserze, durch den erhöhten Einsatz von Schrott und den Mehrverbrauch an Koks um das Doppelte. In der Textilindustrie, wo die Preisauftriebstendenzen seit Jahren bereits am sichtbarsten wurden, war der gesteigerte Gebrauch von Zellwolle die Ursache. Die Verwendung von Preßstoffen statt ausländischer Nichteisenmetalle verteuerte die Installationskosten für Röhren usw.

Es handelt sich nun darum, neben einer Kontrollierung der einsetzenden Preiserhöhungen das Preisgefüge wieder alsbald zur Ruhe und zur Stabilität kommen zu lassen. Wenn dies gelingt, so können gefährliche Tendenzen abgebremst und neutralisiert werden. Allerdings ist eines unausbleiblich, nämlich ein weiterer Rückgang des allgemeinen Lebensstandards, weil auf der Seite der Einkommen der Lohnstopp fortbesteht. Diese Tatsache genügt an sich schon, um jede Preiserhöhung so ernst wie nur möglich zu nehmen. – oe –