Zu welchen Folgen die getrennte Verwaltung der Zonen führt, läßt sich gerade jetzt aus zwei gleichlaufenden Beobachtungen ersehen. In einem stillgelegten Salzbergwerk Thüringens wurden nach der Kapitulation etwa 2 1/2 Mrd. RM Reservenoten der Reichsbank gefunden und von den Amerikanern nach der Reichsbankhauptstelle Frankfurt a. M. gebracht. Die Hessen betrachteten diesen "kostbaren" Fund als ihr Eigentum und gedachten, damit ihre Landeszentralbank reichlich auszustatten. Sie wurden in dieser Auffassung Vorkämpfer des Landeszentralbank-Gedankens. Die Begeisterung verflog jedoch, als es offenbar, wurden, daß diese Noten bestenfalls auf die drei Landeszentralbanken der USA-Zone nach Maßgabe der von diesen zu übernehmenden Giro-Verbindlichkeitender Reichsbank aufgeteilt werden würden. Schließlich entschied die Militärregierung sogar, – daß diese Reservenoten "Reserve" bei dem Torso der Reichsbank bleiben müßten.

Als jetzt die Eröffnungsbilanzen der süddeutschen Landeszentralbanken veröffentlicht wurden, zeigte sich dort zum 1. Januar 1947 ein eigentlich überraschend günstiges Bild, nämlich ein nicht unerhebliches Notenpolster, wenn auch z. B. in Frankfurt a. M. auf der Aktivseite der Bilanz 409 Mill. RM und in München 1057 Mill. RM als Forderung gegen den Treuhänder der Reichsbank" eingesetzt werden mußten. Die Realisierung dieser Forderung wirdletzten Endes davon abhängen, welche Honorierung die beim Reichsbanktorso verbliebenen Reichswechsel oder Forderungen gegen die Berliner Reichshauptbank erfahren werden. Liquiditätsmäßig ist das Bild aber nicht’schlecht, wenn auch zu berücksichtigen ist, daß selbst die ausgewiesenen hohen Notenbestände bei starken Ansprüchen der Mitgliedsbanken schnell zurückgehen können. Dann aber hat man noch den Rückgriff auf die weiter bestehende – Reichsbank und auf deren Reservenoten, die zufällig in Thüringen gefunden wurden und ebenso zufällig gerade in Frankfurt aufbewahrt werden. Diese Reservenoten sind aber Eigentum der Gesamtreithsbank und stehen damit anteilsmäßig den Reichsbankanstalten aller Zonen zu. Folglich müßten sie auch auf die Landeszentralbanken oder Reichsbankanstalten aller Zonen aufgeteilt werden!

Umgekehrt ist bekannt, daß der Bergbau in der britischen Zone und vor allem der Ruhrbergbau mit ständigen Verlusten arbeitet, die daraus herführen, daß der Kohlenverkaufspreis weiter auf 15 RM je Tonne gehalten wird, die Selbstkosten aber weit höher sind und nahezu das Doppelte des Verkaufspreises betragen. Die Verluste der Zechen aus diesen Minusgeschäften werden aus öffentlichen Mitteln getragen und dürften im Jahr etwa eine Milliarde RM erreichen. Diese Subventionen fallen ausschließlich den Steuerzahlern der britischen Zone zur Last und machen etwa 50 RM Je Jahr und Kopf der Bevölkerung aus, kommen aber auch allen anderen Zonen zugute. Es ist bisher nicht ersichtlich geworden, daß ein geldlicher Ausgleich zwischen den Zonen erfolgt. So wird sogar behauptet, daß die Zurückhaltung der britischen Besatzungszone in gewissen bankpolitischen Fragen auf das mangelnde Entgegenkommen anderer Zonen in der Frage der Kohlen-Subventionen zurückzuführen sei... H. R.