Seit 1940 gab es in Japan nur eine Partei, die "Partei zur Unterstützung der Kaisertums". Wie bei allen faschistischen Parteien reichte ihr Einfluß bis in die letzte Landgemeinde und weit in alle menschlichen Beziehungen hinein. Japan war wie kein anderes Land prädestiniert für den Faschismus. Die Identität von Staat und Kirche in der Person des Kaisers, der Autoritätsglaube des Volkes und das fehlen aller demokratischen Einrichtungen boten die natürlichen Voraussetzungen für eine totalitäre Staatsform.

Auf diesem Boden eine Demokratie aufzubauen, ohne die Möglichkeit, an zurückliegende Geschichtsepochen anzuknüpfen, war seit der Kapitulation das Bemühen General MacArthurs. Zunächst hatten sich fünf Parteien konstituiert. Die Fortschrittlichen, die Liberalen, die Kooperativen, die Sozialdemokraten und die Kommunisten. Die sogenannten Kooperativen fielen mehr oder weniger restlos der "Denazifizierung", die im Januar 1946 Gesetzesform erlangte, zum Opfer; die Fortschrittlichen bilden heute zusammen mit den Liberalen den konservativen Flügel dem als Opposition die Sozialdemokraten gegenüberstehen. Der Gedanke, lag nahe, daß die Kommunisten, die als einzige in offener Opposition zum kaiserlichen System. gestanden hatten, und daher frei von jeder Kriegsschuld waren, im Laufe der Entwicklung zunehmen würden. In der ersten Wahl im April 1946 hatten sie zwar nur fünf Sitze erobern können, während die Liberalen und die Fortschrittlichen zusammen 233., und die Sozialdemokraten 92 Sitze-erhielten.

Das konservative Kabinett des Ministerpräsideuten Joschida, der zugleich Parteiführer der Liberalen ist, war während der zurückliegenden Monate in zunehmendem Maße der Kritik ausgesetzt, und die Spannungen zwischen Konservativen und Sozialdemokraten hatten ständig zugenommen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Initiative zu dieser Entwicklung von kommunistischer Seite ausging, wobei das Ziel darin bestand, nicht nur den Sturz des Kabinetts Joschida herbeizuführen, sondern auf diese Weise zugleich die, amerikanische Politik zu treffen, deren Exponent Mac Arthur allenthalben als Beschützer der "Reaktion" bezeichnet wurde. Auf diesem Hintergrund wurden von der Linken zahlreiche Proteste gegen die Regierung Joschka eingebracht, immer neue Streiks organisiert und schließlich der Generalstreik vorbereitet. Zunehmende Arbeitslosigkeit, in schwindelnde Höhe gestiegene Preise und ein blühender Schwarzmarktsind seit langem die untrüglichen Anzeichen eines wirtschaftlichen Niedergangs in Japan, der zweifellos durch einen Generalstreik endgültig besiegelt worden wäre. General Mac Arthur verbot daher im Februar dieses Jahres die Ausrufung des Generalstreiks – was sofort zum Anlaß wurde, ihn nunmehr endgültig mit der "reaktionären" Regierung zu identifizieren – und ordnete Neuwahlen an.

Diese Wahlen haben nun im Laufe des Monat April stattgefunden – im allgemeinen bei sehr schlechter Wahlbeteiligung – sie haben gezeigt, daß die ländlichen Gemeinden überwiegend konservativ, die Städte vorwiegend sozialistisch. gewählt haben. Bei der Wahl der Gemeindepräfekten und bei der Wahl zum "Oberhaus" erhielten die Konservativen eine starke Mehrheit. Im "Unterhaus" sind die Sozialisten mit 143 (bisher 99) Stimmen die stärkste Partei geworden; die Majorität liegt jedoch auch hier bei, den Konservativen, weil die Fortschrittlichen und Liberalen zusammen 259 (bisher 233) Sitze erhalten haben, während die Kommunisten überraschenderweise, von fünf auf Vier Sitze zurückgegangen sind.

Dieser Ausgang der drei verschiedenen Wahlgänge hat den vollen Beifall des Oberbefehlshabers der Alliierten Mächte in Japan gefunden, inwieweit der Wunsch. des autoritätsgläubigen Volkes aber, diesen Beifall zu erringen, das Ergebnis der Wahl beeinflußt haben mag, sei dahingestellt. Fest steht Jedoch, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse im Lande und die politischen Verhältnisse im Alliierten Rat immer schwieriger werden, was sicherlich bei dem Vorschlag MacArthurs, die Verwaltung des Landes der UNO zu unterstellen, mitgesprochen hat. DFF.