Der Anblick unserer zerstörten Städte läßt daran zweifeln, ob sie je einmal neu erstehen werden. Wenn aber ihr Aufbau eines Tages ernsthaft in Angriff genommen werden könnte, dürfte man da von einem Wieder- oder von einem Neuaufbau reden? Die Städtebauer zerbrechen sich die Köpfe, darüber, nach welchen maßgebenden Gesichtspunkten dies geschehen müßte. Zwei wesentliche Voraussetzungen stehen dabei zur Entscheidung: ob die wiederzuerrichtende Stadt ihre regionale Bedeutung als wirtschaftliches oder als kulturelles Zentrum in der Neuplanung ausdrücken soll. Für kleinere Städte bleibt ihr landschaftliches Gefüge dabei von wesentlichen! Gewicht.

Die Beispiele Köln und Hamburg, kürzlich in einer Arbeitstagung (in Köln) der Mitglieder des Deutschen Verbandes für Wohnwesen, und von Fachleuten der vier Zonen ausgetragen; erhellen trotz mancher Schwierigkeiten die Möglichkeiten und Bedingtheiten gegenwärtiger Planungen und sind wohl auch für die Bauvorhaben anderer Städte als Anregungen bedeutsam. In Köln folgt man (wie Dr. Schwarz, der Leiter der Kölner Wiederaufbaugesellschaft entwickelte) dem Prinzip, den Charakter der Stadt, die eine alte christliche Tradition mit ihrer dominierenden Bedeutung als früherer Hoheitssitz vereint, zu erhalten und zugleich den Bedingungen der günstigen Verkehrslage gerecht zu bleiben. Denn Köln darf auch heute noch als das einflußreiche kulturelle und zivilisatorische Kraftfeld von weitem Einfluß gelten. Die neue Planung will aber kein modellgetreues Nachbauen, vielmehr bleibt für die Frage; Instandsetzung oder Neubau die Gegenüberstellung von Schadensgrad (und dessen Komponenten Reparaturanteil Wertgrad, Abbruchsanteil) und Neubaukosten gültig. Auch soll die neue Stadt nicht mehr durch die früheren Kreuzachsen, deren Entstehung auf die römischen Haupt-Lagerstraßen zurückzuführen ist, geteilt werden, sondern sie soll in einer zentrierten "Hochstadt" die wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte vereinen. Der Verkehr soll durch die Fluchten der Bauten führen. Die große Rheinbrücke nach Deutz soll fertiggestellt und, wie auch ein großer Teil des Domes, bereits in einem Jahr wieder benutzbar sein, während man den Hauptbahnhof an den Stadtrand zu verlegen plant. Zunächst soll eine Mustersiedlung aus Trümmerschutt gebaut werden, und zwar unter sparsamster Verwendung von Eisen, eine Siedlung, die in der Hauptsache aus Ein- und Zweifamilienhäusern bestehen wird. Beteiligt daran ist zu 30 v. H. die Selbsthilfe der Wohnbedürftigen.

Auch in Hamburg gilt (nach den Ausführungen, von Oberbaurat Dr. Berlage, dem Leiter des Planungsamtes) der Wohnstätte und insbesondere ihrer Verlegung in die Nähe des Arbeitsplatzes die bauliche Vorsorge. Hier wandern täglich 60 000 Erwerbstätige vom Osten der Stadt zum Westen und 30 000 in die entgegengesetzte Richtung – ein Übel dem man durch den Bau von Wohnungen auf dem zehn bis dreißig Meter über dem Nord und Südufer des Hafens gelegenen Geestboden zunächst für die Hafenarbeiter abhelfen will. Geplant ist ferner die Verlegung von Betrieben an den Stadtrand und in die Umgebung. Damit würde eine wesentliche Herabminderunng jenes pendelnden Verkehrs erreicht, der die Erwerbstätigen aus Entfernungen, bis zu 40 Kilometer heranholt und zurückbringt. Für das Stadtgefüge sind Siedlungseinheiten von je 50 000 Einwohnern vorgesehene Auch neue Gewerbebetriebe sollen hier seßhaft werden, die ihre Betriebsräume in Gewerbe- und Handwerkshöfen mieten können. Ermöglicht wird dieser weitreichende Umbau und zwingend zugleich dadurch, daß von 500 000 Wohnungen 300 000 zerstört sind. Die Städte Hamburg, Kiel und Hannover haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft der Planungsämter zusammengeschlossen.

Eine solche Aufgabe verlangt Maßnahmen, die (wie der Direktor der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Wohnungsbau in Köln darlegte) weit in die Eigentumsverhältnisse eingreifen. Dabei bedarf das Enteignungs- und Umlegungsrecht einer besonders eingehenden Regelung. Der Vizepräsident im Deutschen Landtag. Landrat Dr. Jaeger, Ludwigsburg (Württemberg), beschloß die von 400 Städtebauern besuchte Tagung mit dem Vortrag über die Bauplanung auf dem Lande. Die Sicherung der ernährungspolitischen Aufgaben und der Bevölkerungszuwachs auf dem Lande um 50 v. H. bedürfen, so betonte er, dringend planerischer und baulicher Grundsätze unter Berücksichtigung der im Städtebau gemachten Erfahrungen. Die Zahl der Dorfbewohner in Deutschland blieb in den Grenzen von sieben bis neun Millionen Einwohnern. Der Überschuß wanderte der fehlenden Erwerbsgrundlagen wegen in die Städte ab. Grundsätzlich sei darum die Wirtschaftsstruktur des Dorfes zu ändern, seine Bebauungs- und Flächennutzungspläne aufzustellen sowie Verkehrsflächen auszuweisen, um zu verhindern, daß die Bauernhöfe durch gewerbliche und Wohnungsbauten "eingemauert" werden.

Allein 40 000 Landgemeinden erwarten den Ausbau, ihrer öffentlichen Einrichtungen, ohne den Wohnungsbau. Größe Planungs- und Bauvorhaben bauen auch hier der Ausführung. Walter Kirchlich

Die Aufführung des russischen Schauspiels "Die russische Frage" von Konstantin Simonow im Deutschen Theater in Berlin, gegen die von amerikanischer Seite Protest eingelegt worden war. stieß auf ein ander widersprechende Kritiken. Die "Tägliche Rundschau", das Blatt der sowjetischen Militärregierung, schrieb: "Nicht Gegensätze zwischen den Alliierten stehen hier zur Debatte, sondern die Korruptions-, Erpressungs- und Diskriminierungsmethoden finsterster Kriegshetzer die als Erzfeinde des amerikanischen genau so gutwie des russischen, des deutschen oder irgendeines anderen Volkes anzusehen sind." Der Kritiker des britisch lizenzierten "Telegraf" indessen wirft die Frage auf, ob es richtig war, ein Stück aufzuführen, das die Gegensätze zwischen Rußland und Amerika so kraß herausstellt: "Das Stück war Politik im Theater; aber schlechte."

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