Für die norwegische Fischerei ist es charakteristisch, daß der größte Teil der in der Fischerei Beschäftigten selbständig ist und mit eigenen, sehr kleinen Booten fischt. In der norwegischen Berufsstatistik werden 37 000 Personen als Fischer im Hauptberuf angegebene während der Saison aber – arbeiten 130 000 Menschen mit 88 000 Booten in der Fischerei. Wie stark die Fischerei noch Handwerk ist, geht aus der Tatsache hervor, daß infolge des Widerstands der Fischer mir 11 Trawler eine Lizenz für die norwegischen Gewässer haben und nur 8 Fahrzeuge sie ausnutzten. Der mehr handwerkliche Betrieb zeigt sich auch in dem großen Anteil von Trockenfisch und Salzfisch bei der Verwertung des Fanges.

Der Krieg, hat für – Norwegens Fischwirtschaft entscheidende Veränderungen gebracht; unterstützt werden diese durch den allgemeinen Drang zu einer Nationalisierung der Grundindustrien, wozu man in Norwegen die Fischerei rechnen muß. Eine Reihe von negativen und positiven Einflüssen beschleunigen die Ausführung der Pläne. Auf der negativen Seite ist der Verlust von Gerät zu erwähnen, dann der Mangel an Arbeitskräften: Zu den negativen Einflüssen ist auch die gegenwärtige Lage auf dem Fischmarkt zu rechnen; gerade die am billigen norwegischen Trocken- und Salzfisch interessierten Länder fallen aus wirtschaftlichen und politischen Gründen aus: Spanien, Italien, Westindien und sogar Deutschland.

Auf der anderen Seite besteht ein starker Bedarf an Fischeiweiß und mehr wohl noch an Fischölen. Unter den positiven Einflüssen für eine Nationalisierung und Rationalisierung der Fischerei Norwegens ist der Wunsch, der sozialdemokratischen Regierung Norwegens, die Fischerei unter staatlicher Leitung zu industrialisieren, an erster Stelle zu nennen. Die Vorschläge umfassen nicht nur Beihilfen für Trawlergenossenschaften, Gefrieranlagen und Heringsölfabriken, sondern ebenfalls Pläne für eine Überwachung Und Leitung der Ausfuhr, Durch die geringe Güte der norwegischen Erzeugnisse und den geringen Prozentsatz, der frisch auf den Markt gebracht werden konnte, waren die Einnahmen im Verhältnis zu den Mengen gering.

Die von Norwegen begonnenen Maßnahmen haben eine positive und eine negative Seite, Die Ausschließung der deutschen Fischerei von Fischgründen, die nicht einmal in den, norwegischen Hoheitsgewässern Hegen, ist selbst für Norwegen kaum positiv. Selbst wenn sich Norwegen offiziell noch im Kriegszustand mit Deutschland befindet (der Ernst, mit dem die Entsendung norwegischer Besatzungstruppen behandelt wurde, unterstreicht dieses Gefühl der "Kriegführung"), so ist doch das Hin- und Herschieben von Hoheitsgrenzen je nach der Nationalität der Schiffe schon kein Novum, sondern eine Absurdität des Völkerrechts.

An positiven Maßnahmen ist erst eine kleine Auswahl zur, Ausführung gekommen. Zu den drei Verarbeitungsbetrieben in Vardö, Honningsvaag und Hammerfest, die recht klein sind (nach englischen Quellen haben sie eine Kapazität von je 30 Tonnen in 24 Stunden), kommen 6 weitere Betriebe; Besonders scheinen die Nordgebiete endlich ene Rolle in der Wirtschaftsplanung zuspielen. An laufenden Maßnahmen ist der Bau eines Forschungsschiffes für die Fischerei und die Versuche mit Radar-Geräten, die Marine und Fischerei ge-– meinsam durchführen, zu erwähnen. Das Kühlschiff.

"Thorland" mit seiner Kapazität von 4000 Tonnen Gefrierfilet ist der Norsk Frössen Fisk A. L., verchartert worden, die eine Dachorganisation für alle Gefrierbetriebe darstellt Für die Marktuntersuchuag befindet sich eine Kommission in Westindier und eine in den USA, wo man die Absatzmöglichkeiten für günstig hält. In der Fachpresse wurde der Vorschlag gemacht, seitens der norwegisches Regierung Lagerhäuser in Südamerika zu errichten und sie mit den Exporteuren und den dortigen Importfirmen gemeinsam zu betreiben.

Nach der englischen und norwegischen Fachpresse wird sich die norwegische Fischwirtschaft stärker als bisher auf die Weiterverarbeitung von Heringsöl aus anderen Ländern verlegen. Die Unsicherheit über den Ort und den Zeitpunkt des Erscheinens der Heringsschwärme hat zu einer Verteilung der 70 Heringsölfabriken über die gesamte Küste von Tromsö bis Kristiansand geführt. Norwegen will nun dazu übergehen, den im Preis stark gestiegenen Waltran zu verkaufen, dafür das billige Heringsöl anzukaufen und weiter zu verarbeiten. Neben der üblichen Verarbeitung zu Margarine und Seife wird das Heringsöl heute für Schmierzwecke bei Maschinen und selbst Kraftfahrzeugen verwandt.

Es in merkwürdig, daß zwei Länder des Nordens zu gleicher Zeit und aus den gleichen Gründen zu einer Senkung ihres Lebensstandards übergehen:-Dänemark propagiert die vermehrte Verwendung von Margarine, um mehr Butter zu exportieren, und Norwegen verkauft seinen Waltran, um für sich selbst das billige Heringsöl verwenden zu können. Rtbg.