Einer Zuschrift von sachkundiger Seite entnehmen wir folgendes: Seit einigen Monaten ist der Mais in unserer Brotgetreide-Versorgung tonangebend, und er könnte es auch in der Fettwirtschaft sein. Die erheblichen Maismengen, die aus den USA und Kanada kommen, werden nach dem bisherigen Verfahren zu 80 v. H. ausgemahlen, d. h. 80 v. H. entfallen auf Mehl und Grieß oder Schrot, 15 v. H. auf die Keime und 5 v. H. auf Kleie. Das Maiskorn enthält 3 bis 5 v. H. Fett, das sich hauptsächlich im Keim findet. Die Keime enthalten im reinen Zustand bis zu 30 v. H. Fett. Sie sind zurzeit die einzige Fettrohstoffquelle, die für die Speiseöl- und Margarineherstellung zur Verfügung steht. Es ist daher nicht einzusehen, daß das Maisfett nicht in größtmöglichem Umfang, der Speisefettindustrie zugeführt wird, sondern zu einem großen Teil (im vergangenen Jahr zu rund zwei Dritteln) in den Müllereiprodukten verbleibt und hier den sattsam bekannten ranzigen Geschmack und auch die Unbekömmlichkeit der Maisprodukte Verursacht.

Durch das Naßverfahren nämlich, das zurzeit in den westdeutschen Mühlen ganz überwiegend zur Aussonderung der Keime verwandt wird, wird das im Keim enthaltene Fett ranzig und kann nur teilweise für die menschliche Ernährung verwandt werden. Berechnungen haben ergeben, daß nach dem bisherigen Verfahren nur etwa 16 v. H. des Maisfetts für Speisezwecke Verwendung finden, während weitere 16 v. H. nur noch für die Seifenindustrie genutzt werden können.

Es ist also geboten, daß man zum Trockenverfahren übergeht, das seit jeher in Rußland, den Balkanländern und Österreich mit bestem Erfolg verwandt wird. Wenn außerdem der Keimanfall von 15 auf 20 v. H. herauf- und der zulässige Fettgehalt in Mehlerzeugnisse auf etwa 1,2 v. H. herabgesetzt wird, so könnte man 75 v. H. des Maisfetts zu Speisezwecken verwerten. Außerdem wären die Mehlprodukte nach Geschmack, Back- und Lagerfähigkeit von weit besserer Qualität als bisher. Weichen Einfluß die Verwendung des Maisfetts auf. unsere Versorgung hat, ersieht man wohl am besten aus der Tatsache, daß bei einer monatlichen Einfuhr von 200 000 t Mais und einem durchschnittlichen Gehalt von 4 v. H. Fett 6700 t Margarine gewonnen werden könnten und damit eine Zuteilung von 200 g je Kopf möglich wäre."

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Soweit unser Gewährsmann zur technischen Seite der Sache-, Für den (technischen) Laien, der volkswirtschaftlich interessiert ist, ergeben sich zwei Fragen in diesem Zusammenhang. Nämlich: Konnte man voraussehen, daß Mais in größeren Mengen nach Deutschland als Brotgetreide hereinkommen würde? Und, wenn ja, warum haben die zuständigen Stellen in der "Ernährungslenkung" nicht dafür, gesorgt, daß Mühlen und Bäcker rechtzeitig auf die Probleme hingewiesen wurden, die sich mit dem Vermählen und Verbacken größerer Mengen an Mai? und Maismehl ergeben mußten? Warum war wieder einmal technisch nichts vorbereitet?

Die erste Frage ist zu bejahen. Unsere "alten" Leser werden sich erinnern, daß hier vor gut einem Jahr darauf hingewiesen wurde, man werde bald auf Mais (auch Gerste und Hafer) in der Lebensmittelversorgung zurückgreifen müssen. Um so schwerer ist es, die zweite Frage zu beantworten, zu erklären, warum wir jetzt die verglichen Margarinerohstoffe nicht restlos ausnutzen und, eben wegen dieses Versäumnisses, noch obendrein vielfach schlechtes, durch Verölung schwer verdauliches Maisbrot essen müssen. G. K.