Eine Atmosphäre elektrischer Hochspannung kennzeichnet die Palästina-Tagung, seit Vertreter der "Jewish Agency" und der Palästina-Araber an den Sitzungen des politischen Ausschusses der UNO teilnehmen. Es ist ein harter Kampf gewesen, bis die beiden Hauptkontrahenten ihre Zulassung erlangten, und es wurde ihnen auch nur genehmigt, ihren Standpunkt dem politischen Ausschuß vorzutragen. Eine Vertretung in der Vollversammlung hat der Generalsekretär der UNO. Trygve Lic. abgelehnt, weil laut Statut nur selbständige Staaten Delegierte entsenden können.

Was wird aus Palästina? Gebannt und voller Spannung verfolgen die Staaten des Vorderen Orients und des afrikanischen Raumes vom Schwarzen Meer bis zur Straße von Gibraltar und bis weit hinein nach Zentralafrika jede Phase der Entwicklung In irgendeiner Beziehung, geht das, was sich dort abspielt, sie alle an. Viele Organisationen haben Anträge gestellt, an den Entscheidungen der Vollversammlung mitzuwirken, um mindestens ihre Einstellung vortragen zu können, so auch das "Komitee für die Freiheit Nordafrikas". das der Stimme von 20 Millionen afrikanischen Arabern Gehör verschaffen wollte. Diese Organisation ist jedoch wie die meisten anderen abgelehnt worden. Aber auch wenn sie alle heute nicht gehört werden, sind sie fest entschlossen den Ausgang des Konflikts für die eigene Sache auszuwerten – sei es im positiven Sinne als Analogie, sei es, um die nationale Opposition und den Fanatismus in ihren Ländern zu schüren.

Auch die Großmächte sind jede in ihrer Weise an dem Problem Palästina und seiner Lösung interessiert; Amerika in Hinsicht auf die jüdische Wählerschaft im eigenen Lande, England nicht zuletzt im Hinblick auf strategische Gründe. Frankreich befürchtet eine Verschärfung des arabischen Nationalismus in seinen nordafrikanischen Kolonien, und Rußland hat ein Interesse daran, als Anwalt der arabischen Forderungen sich im Bereich der arabischen Staaten unentbehrlich zu machen. Den ersten Schritt hierzu bedeutet. Gromykows beharrlich vorgetragener Vorstoß, die Prüfung, einer Aufhebung des Mandats und der Unabhängigkeitserklärung Palästinas in den Aufgabenbereich der Untersuchungskommission miteinzubeziehen. Ein Schritt, den die arabischen Vertreter, denen wenige Tage zuvor, der gleiche Antrag durch Mehrheitsbeschluß abgelehnt wurde, zweifellos werden, zu schätzen wissen.

In Anbetracht der divergierenden Interessen der Großmächte, die die sachliche Behandlung des Problems so sehr erschweren, ist der amerikanische Vorschlag, einen "neutralen Ausschuß" ohne die Großmächte einzusetzen, zweifellos zweckmäßig. Diesem Vorschlag, dem auch Großbritannien sich angeschlossen, hat, steht einstweilen noch der Antrag Argentiniens – unterstützt von Rußland – gegenüber, elf Mitglieder einzusetzen, darunter die fünf Großmächte und die fünf arabischen Staaten.

– Ursprünglich sollte es die Aufgabe der jetzigen Sondersitzung der Vollversammlung sein, lediglich die Frage zu prüfen, ob ein Untersuchungsausschuß eingesetzt werden solle, der bis zur Tagung der Vollversammlung im September die Situation in Palästina prüft und über bestimmte festzulegende Programmpunkte Berichte zusammenstellt. Das Bestreben der Juden und Araber, grundsätzliche Fragen zur Sprache zu bringen, scheint sich jedoch immer mehr durchzusetzen. Unter diesen Umständen können für England neue Schwierigkeiten entstehen, wenn die endgültige Entscheidung über die Zukunft Palästinas weiter verschoben wird; denn es ist kaum anzunehmen, daß die Zustände in Palästina erträglicher werden, falls auf die bis zur äußersten Spannung gesteigerten Gegensätze dieser Konferenz ein Vakuum von mehreren Monaten folgt. Dff.