Anfang waren es Gewürze, die den Abenteurer nach Ostindien zogen – später war es Gummi und schließlich Öl. Jetzt sind es die großen mineralischen Bodenschätze, die die Kapitalisten anziehen. Bereits während des Krieges erschlossen militärische Streifzüge." Guerilla-Unternehmen und Luftlandeaktionen weite, bisher unbekannte Gebiete auf Borneo. Celebes und Neuguinea. Nach der Kapitulation Japans folgten dann Forscher, Ingenieure und Gesteinskundige den Spuren der Soldaten. Auf Wegen, die Pioniere und Fallschirmtruppen gebahnt hatten, drangen sie vor und übernahmen die verlassenen Dschungel-Lager der Männer, die Japan besiegt hatten. Sie brachten von – ihren Expeditionen die Nachricht von neuen Vorkommen an Zinn, Eisen, Nickel und Kohle mit, und zwar aus Gebieten, die noch vor sechs Jahren als gefahrvoller und nie betretener Urwald galten. Der Regierung von Holländisch-Ostindien war es schon seit Jahren bekannt, daß im Innern von Inseln wie Borneo. Celebes und Neuguinea beträchtliche Reichtümer an Mineralien zu gewinnen seien. Vor dem Kriege schien es jedoch unmöglich, inmitten eines fast undurchdringlichen Urwaldes Kohle zu fördern oder in Gegenden, deren Bevölkerung sich aus primitiven Kopfjägern. zusamnensetzte Erze zu verhütten. Jetzt, aber sind diese Gebiete der Aussenkung erschlossen worden. Die eben erstehenden Vereinigten Staaten von Indonesien können mit einer blühenden industriellen Zukunft rechnen. Es bestehen Aussichten, daß sich Indonesien zu einer Art "Mineral Bank" entwickeln wird, von der einliegende Länder unbegrenzte Mengen an Rohstoffen, die Voraussetzung für jeden Fortschritt, begehen können.

Im südlichen Winkel der Kopfjäger-Insel Borleo lagern wenigstens 500 Millionen t Eisenerz mit bis zu 50 v. H. Eisengehalt. Im Seengebiet des geheimnisvollen Zentral-Celebes befinden sich weitere 600 Millionen t, und in Süd-Celebes hat man am Golf von Bone ausgedehnte Vorkommen von Nickelerzen entdeckt. Auch berichtet man offiziell von vorhandenen Vorkommen an Kohle, Zinn und Edelmetallen. Gewiß sind noch Schwierigkeiten zu überwinden. Keine dieser Gegenden verfügt, gegenwärtig überausreichende Energien oder Arbeitskräfte, um groß angelegte Erschließungen durchführen zu können. Aber da die Maschinen überall in der Welt Kohle und Erze verlangen, wird es nur mehr eine Zeitfrage sein, bis die Urwälder jener. Inseln, von industrieller Geschäftigkeit erfüllt sein werden. Celebes verfügt über sehr viel Wasserkraft, die nur darauf wartet, gebändigt zu werden, und das Arbeiterproblem kann verhältnismäßig leicht durch Masseneinwanderungen aus dem übervölkerten Java gelöst – werden. Nur wenige Jahre dürften vergehen, bis die Erschließung dieser Bodenschätze dem pazifischen Raum – und somit der ganzen Welt – zugute kommen wird.

Schon beginnt sich auch das Kapital zu regen. Auf einer Basis von 50 : 50 bei gemeinsamer Bewirtschaftung hat der neue ostindonesische Staat Erleichterungen bei der Errichtung von Industrien angeboten. Mehrere große holländische Industriekonzerne sind darauf eingegangen. Eine umfangreiche Organisation hat sich bereit erklärt, 25 Millionen Pfund zu investieren. Andere wollen Textil-, Tabak-, Schuh- und Eisenwarenfabriken und auch Gerbereien aufmachen.

Weder den Indonesiern noch den Holländern ist es um einen wilden Konkurrenzkampf um die Bodenschätze zu tun. Obwohl sie ihre Herrschaft über das Land eingebüßt haben, sind die Holländer doch noch sehr lebhaft an seiner wirtschaftlichen Zukunft interessiert. Die Indonesier anderseits sind sich ihrer Grenzen in bezug auf Finanzkraft, Erfahrung, Geschick und Fähigkeit bewußt. Zur Ausbeutung der Reichtümer ihrer Inseln brauchen sie Hilfe und würden falls sich politische Differenzen auf freundschaftlichem Wege regeln lassen, lieber mit den Holländern arbeiten als mit Geschäftsleuten und Ingenieuren anderer Nationen, die eine Zusammenarbeit nur gegen Werte eingehen würden, die sie dann aus dem Lande herausnehmen könnten. Der entscheidende Faktor in der ganzen Situation ist der, daß das Abkommen zwischen Indonesiern und Holländern die Anerkennung "der Ansprüche aller Nicht-Indonesier auf Wiederherstellung ihrer Rechte und Rückgabe ihrer Güter" vorsieht, die ihnen im Kriege gegen Japan und durch anschließende politische Wirren verlorengegangen sind.

Die Investierungen der holländischen Regierung sowie privater Unternehmer in Holländisch-Ostindien beliefen sich bis zum Jahre 1940 auf 705 Millionen Pfund, gegenüber 122 Millionen Pfund, die von Indonesiern und Indö-Chinesen investiert wurden. Nach dem neuen Abkommen kann diese ungeheure Summe an Investierungen im Archipel verbleiben. Der neuen Republik werden dadurch finanzielle Sorgen und die Notwendigkeit, internationale Hilfe in Anspruch zu nehmen, erspart. Somit erscheint es sicher, daß einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Holländern und Indonesiern der Weg gebahnt ist, unter Anerkennung ihrer beiderseitigen Rechte das zu schaffen, was ein soeben veröffentlichter Bericht "eine lichte industrielle und wirtschaftliche Zukunft" nannte.

(Autorisiert durch Reuter, London)