Die militärischen Anfangserfolge der Japaner haben seinerzeit die USA von ihren Naturkautschukbasen abgeschnitten, und die für den Kriegsbedarf relativ geringen Vorratsreserven reichten nun nicht aus, den hohen Bedarf der Rüstungsindustrie zu decken. Zur Überwindung des Engpasses stampften daher die Vereinigten Staaten eine synthetische Gummiproduktion aus dem Boden. 725 Millionen Dollar investierte Nordamerika in diesen jungen Wirtschaftszweig.

Nun wurden am 31. März 1947 fast alle Ermächtigungsgesetze aufgehoben, die Roosevelt in die Lage versetzt hatten, die USA zum führenden Land der Rüstungsindustrie zu machen. In der Kautschukfrage kam es zu langen Debatten in beiden Häusern. Ein Kompromiß, als Ergebnis der heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem War Department (das für künftige nationale Notstände, wie Truman sagte, eine starke synthetische Gummiindustrie bevorzugt) und dem State Department, das aus handelspolitischen Gründen Naturkautschukimporte wünscht, brachte folgende Regelung: Private Importe in Naturgummi sind grundsätzlich erlaubt, aber für ein Jahr wird vorläufig die USA-Regierung die Erzeugung künstlichen Kautschuks sowie die Verarbeitung des Kunst- und Naturgummis kontrollieren. Nach staatlicher Anweisung sind in den Vereinigten Staaten 58 v. H. an künstlichem Kautschuk und 42 v. H. an Naturgummi zu verwenden.

Mit dieser Regelung geben die USA die Stützung ihrer synthetischen Werke nicht auf. 1946 betrug die Verwendung künstlichen Gummis noch 70 v. H. der Gesamtproduktion von 1,03 Millionen Tonnen. 1947 wird die Erzeugung nicht geringer sein, der Verbrauch synthetischen Kautschuks also absinken. Aber mit der Kapazitätsreserve ihrer künstlichen Gummiproduktionsstätten haben die Amerikaner starke Trümpfe in der Hand: Im Falle des "nationalen Notstandes" sind die Vereinigten Staaten in der Gummierzeugung autark, und in Friedenszeiten sind sie in der Lage, Preiserhöhungen des Naturkautschukkartells abzuwehren und somit einen indirekten Einfluß auf den Naturgummimarkt auszuüben.

Die handelspolitischen Erwägungen des State Department, die im Kompromiß berücksichtigt wurden, haben ihre volle Berechtigung. Auf Grund der Planung, zwei Fünftel des amerikanischen Verbrauchs durch Naturkautschuk zu decken, können die USA fast die Hälfte der Weltnaturkautschukproduktion übernehmen, die 1946 insgesamt 827 000 Tonnen betrug und für 1947 auf 1,2 Millionen Tonnen geschätzt wird. Mit der garantierten Abnahme solcher Mengen wird den Hauptausfuhrländern die Kalkulation erleichtert und die Gummiwirtschaft, die im Kriege starke Einbußen zu verzeichnen hatte, lebensfähig erhalten. Gleichzeitig werden die Äquatorstaaten Südostasiens in die Lage versetzt, amerikanische Waren zu kaufen, so daß die Rückwirkung auf den USA-Binnenmarkt nicht ausbleibt. Daher können auch die Vereinigten Staaten den höheren Preis für Naturkautschuk akzeptieren, der sich auf dem Weltmarkt auf 22,65 Cent je Pfund beläuft, während der synthetische Gummi 18 Cent kostet. Bei der zu erwartenden Tendenz einer Preissenkung bei Steigerung der Naturgummiproduktion wird sich der Ausgleich finden lassen. –n.