Bei, Maupassant verläuft die Geschichte übersichtlicher, knapper pointiert, eine aufschlußreiche Fußnote zu jenem Kapitel menschlicher Tragikomödie im vorigen Jahrhundert, das "Gesellschaft" hieß. Eine junge Frau leiht von der wohlhabenden Freundin eine Perlenkette, verliert sie, was einer Katastrophe gleichkommt, schafft unauffällig Ersatz; und ein Leben lang entbehrt und plagt sich das Ehepaar wegen der übernommenen Schuld, um zuletzt, zu spät zu erfahren, daß man ein Simili für echt. gehalten und unablässige Opfer für ein Nichts gebracht hat. Von dieser schicksalhaften Rolle eines Schmuckstücks angeregt, schrieb Georg Kaiser sein Schauspiel "Adrienne Ambrossat", indem er den novellistischen Steckling am dramatischen Spalier hochzog und dank seiner Erfahrung in Kulissenbewirtschaftung die stattliche Ernte von dreizehn Bildern erzielte.

Fernher mag noch eine andere Maupassantsche Erzählung geistern, in der ein Witwer die Entdeckung macht, daß der hinterlassene Schmuck seiner Frau keine Nachahmung war. wie er sich hatte einreden lassen, sondern daß das Falsche echt und feine Frau doch mehr Natur als bürgerliche Standesperson gewesen war.

Das Spiel um echt und falsch und ein Ehebruch sind jedenfalls die Punkte, um die Kaiser seine Fabel ranken läßt. Sein Besonderes ist die Gestalt der jungen Frau, einer großen selbstlos Liebenden, der die geliehenen Perlen so zuwider sind wie ein anderer Mann. Ihr wird im Verlauf der dreizehn Bilder ziemlich viel Schicksal aufgebürdet: Lüge, Versagen des geliebten Mannes, Lache-Bajazzo Stimmung. Gerichtsverhandlung wegen angeblichen Diebstahls. Gefängnishaft, Scheidung. Bis nach diesem Leidensweg das Paar sich vor dem Gefängnistor zu neuem Beginnen vereint, ärmlich, aber sauber gekleidet, wie es in den alten Romanen heißt, und jedenfalls ohne Talmi.

Zeit: Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ort: Paris. Salon und Wintergarten Manetschén Stils sind allerdings bedenklich in die Nähe von guter Stube und Gartenlaube geraten, und die Inszenierung Friedrich Brandenburgs am Thalia-Theater in Hamburg leistete dieser Tendenz leider wenig Widerstand. Der "Denkspieler" Georg Kaiser hat uns schon so eindringliche und fesselnde Partien vorgeführt, daß man dieses matte Remis nur mit Bedauern wahrnahm. Es wäre auch nicht viel darüber zu reden, wenn nicht Gisela von Collande in der Titelrolle, aller Schwäche des Stückes zum Trotz, eine Frauen Gestalt von schönster Beseelung geschaffen hätte, mit Scharm und einer reichen Skala von Tönen. Lz.