Über die Anzahl der landeseigenen Betriebe in der russischen Zone sind genaue Angaben bekannt, nicht jedoch über die Höhe ihrer Produktion. Zuverlässige Statistiken schätzen diese auf etwa 40 v. H. der Gesamtproduktion, bei Spezialindustrien sogar bis zu 80 v. H. Ausgenommen sind in dieser Zusammenstellung die ehemaligen deutschen Fabriken, die sich im Sowjetbesitz befinden. Da ein großer Teil der Betriebe, die in der Enteignungsaktion ehemals nationalsozialistischer Unternehmen an die Länder gefallen waren, bereits wieder zurückgegeben oder verkauft ist, besitzen die Länder heute lediglich die größeren Betriebe, während die Kleinindustrie in den Händen von Privatunternehmern liegt. – Amtliche Kreise sehen diese Verhältnisse als stabil an und rechnen nicht mit weiteren Demontagen und Verstaatlichungen.

In Thüringen hat die Landesregierung 5 v. H., in Sachsen 8 v. H., in Brandenburg und Anhalt einen ähnlichen Satz und in Mecklenburg 24 v. H. aller Betriebe in die Hand genommen. An durchschnittlich zwei- bis dreimal soviel Unternehmen haben die Länder mehr oder weniger große Anteile. Während amtliche Unterlagen über die Minderung der Produktionskapazitäten in der Ostzone durch Demontagen nicht bekannt sind, schätzen Fachleute folgende Sätze, die Kriegsschäden eingerechnet: 25 bis 30 v. H. in der Textil- und Lederindustrie, 60 v. H. bei der Papier-, Glas-, Keramik- und Baumaterialherstellung, sowie 70 bis 90 v. H. im Maschinen- und Motorenbau, in der Schwerindustrie, Feinmechanik und Optik. Die verbleibenden Kapazitäten werden zu einem bedeutenden Teil von den russischen Gesellschaften ausgenutzt; der Rest entfällt auf private und landeseigene Betriebe. Von privater Seite wird betont, daß die landeseigenen Betriebe sich nur durch eine bevorzugte Belieferung von Rohstoffen, Energie usw. auf ihrer jetzigen Produktionshöhe hielten und auf die Dauer nicht konkurrenzfähig seien, während amtliche Stellen glauben, durch organisatorische Vorzüge (Zusammenfassung in größeren Einheiten) und durch rationellere Arbeitsmethoden eine bessere Rentabilität gewährleisten zu können. W. S.