Republik erlebt hätten, wäre ÖsterreiA seine Staatsschulden bald losgeworden Diese Äußerung eines bekannten österreidiischen Wirtschaftlers wirft ein Licht auf die große Bedeutung der Zistersdorfer Erdölvorkommen. Gleichzeitig wird daraus deutlich, in wie tragischer Weise das Land Österreich immer wieder um den Ertrag und die Verwertung dieser neuentdeckten Reichtümer gebracht worden ist — zunächst durch Hitler und seinen Krieg und schließlich durch die Haitang der russischen Besatzungsmacht.

Neben den bedeutenden Funden in Südwestnngarn ist die schnelle. Erschließung der Erdölfelder von Zistersdorf im Wiener Becken wohl das sensationellste Ereignis der europäischen Erdölindustrie in den letzten Jahren gewesen. Nachdem der österreichische Geologe Dr. Karl Friedl auf Grund rein theoretischer geologischer Rückschlüsse (keinerlei äußere Anzeichen waren vorhanden) Ende der zwanziger Jahre auf die Ölhöffigkeit der Gegend um Zistersdorf hingewiesen hatte, erfolgte 1930 die erste Fundbobrung. Mit einer winzigen Jahresausbeute von 5 t trat Österreich damals in die Reihe der ölproduzierenden Länder der Welt. 1932 begann die Erschließung des Ölfeldes Zistersdorf, 1938 folgten die bedeutenden Felder Gaiselberg und St. Ulrich Hauskirchen, letzteres entwickelte sich bald in geradezu kalifornischem Maßstab. 1944 bezifferte sich die Produktion auf 1 2 Mill t Rohöl, das ist um 850000 t mehr, als ÖsterreiA 1937 für die Befriedigung seines Eigenbedarfs einführen mußte. Da man annehmen kann, daß die Zistersdorfer Felder gegenwärtig eine mindestens ebenso hohe Ausbeute liefern, könnte Österreich also bei freier Verfügung über das Öl nicht nur seine Kraftfahrzeuge und Motoren im Friedensstil laufen lassen, sondern darüber hinaus Öl im Friedenswert von etwa 80 bis 90 Mill. Schilling jährliA exportieren. Bei Verarbeitung des Rohöls in eigenen Raffinerien wäre der Exportwert sogar noch erheb