Statistische Angaben über den sinkenden Gesundheitszustand der Angestellten in Wirtschaft und Verwaltung sind besonders aufschlußreich, weil die Angestellten mit ihren Familien seit Beginn der Zwangswirtschaft zu den Normalverbrauchern zählen und sich – ebenso wie die Hausfrauen – als die Stiefkinder des Verteilungssystems fühlen. Eine große Angestelltenkrankenkasse, die im Gebiet der Hansestadt Hamburg 65 000 Versicherte zählt, berichtet, daß im Laufe des Jahres 1946 von je 100 Stammversicherten 21,5 arbeitsunfähig erkrankten; dabei war die Erkrankungshäufigkeit unter den Männern etwas höher als unter den Frauen. Bei den männlichen Angestellten waren in 13 v. H. der Arbeitsunfähigkeitsfälle Herzschwäche, Unterernährung und Entkräftung die Krankheitsursache, bei den weiblichen Angestellten in 11 v. H. der Fälle. Erkrankungen von Familienangehörigen, die zu Krankenhauseinweisungen führten, waren gleichfalls in über 10 v. H. der Fälle durch die zeitbedingte Entkräftung verursacht.

Es ist besonders bemerkenswert, daß im benachbarten Schleswig-Holstein, wo dieselbe Krankenkasse gleichfalls rund 50 000 Versicherte zählt, diese Krankheitsursache nur etwa halb so häufig auftritt; das ist ein untrüglicher Beweis für die besondere Härte der Lebensbedingungen in der Großstadt. – Unter den Sterbefällen der Angestellten waren im Jahre 1946 noch in 36 v. H. aller Fälle Kriegsverletzungen die Todesursache; selbst bei den Familienangehörigen gingen noch 26 v. H. der Sterbefälle auf Kriegsschäden zurück. Betrachtet man das Lebensalter der Verstorbenen, so zeigt sich, daß bei den Stammversicherten 54 v. H. der Verstorbenen im Alter von 20 bis 49 Jahren standen. Bei den Sterbefällen der mitversicherten Angehörigen fällt dagegen die hohe Sterblichkeit der Kinder auf 62 v. H. der Familiensterbefälle entfielen auf Kinder unter zehn Jahren.