Den deutschen Behörden ist seit Anfang 1947, wie immer wieder von alliierter Seite betont wird, zunehmend die Exekutive in wirtschaftlichen Dingen übertragen worden. In deutschen Händen, so heißt es, liege die Verantwortung Wie aber ist die Lage in der Praxis?

Ein Beispiel aus der Mineralölverwaltung: Bisher war das Verwaltungsamt in Minden i. W. Abt. Mineralöl, nur für die Versorgung der Wirtschaft der Westzonen zuständig. Dienstleistungen für die Besatzungsmacht (z. B. Lieferung von Kraftstoffen für Transporte zum Ausbau von Flugplätzen, Hamburg-Projekt) wurden durch eine besondere Feststellungsbehörde monatlich registriert und nach Anerkennung durch die britische Armee aus deren Beständen an die deutschen Stellen rückvergütet. Die Zusammenarbeit verlief reibungslos, obwohl eine Unterscheidung zwischen Wirtschaftsbedarf und Dienstleistungen für BAOR oft nur schwer zu treffen war.

Nun aber wird von der North German Oil Control angeordnet, daß die Dienstleistungen – ohne Erhöhung des Kraftstoffkontingents der britischen Zone – in Zukunft von Minden ohne Rückvergütung übernommen werden müssen. Damit erfolgt eine Kürzung des Betriebsstoffvolumens von 11 v. H. – und die Verantwortung für die Mineralölverteilung geht am 1. Juni in deutsche Hände über!

Dieser Befehl wird der Exekutive Fesseln anlegen, die sich auf den Kraftstoffverbrauches der ohnehin nie ausreichende Kontingente erhielt, auswirken müssen: Minden muß neu planen, da die regionale Verteilung der Dienstleistungen unterschiedlich ist. Hamburg z. B., das mit 33 v. H seines Betriebsstoffverbrauchs an Dienstleistungen beteiligt ist, würde sonst stärkere Einschränkungen erfahren müssen als weniger belastete Länder. Gleichzeitig wird es aber – den besten Willen vorausgesetzt – zu Stockungen in der Verteilung kommen müssen, da die Dienstleistungen den Vorrang vor anderen Verbrauchergruppen haben.

Das Verwaltungsamt sträubt sich bisher, sich die neuen Fesseln anlegen zu lassen, aber es wird dem wohl kaum entgehen können. Und dies zu einer Zeit, da der Kraftstoff, den wir ohnehin zu 70 v. H. einführen müssen (siehe „Die Zeit“ vom 27. 2. 1947), zum Abtransport der Kohle verwandt werden sollte, da der Transportraum der Eisenbahn nicht ausreicht. Aber woraus soll Minden die dafür erforderlichen 60 000 t Betriebsstoff im Jahr aufbringen?

Die nunmehr deutschen Stellen übertragene Verantwortung für die Kraftstoffverteilung tritt mit zwei Belastungen in ihre neue Aufgabe ein, deren Bewältigung noch viel Kopfzerbrechen bereiten wird. –n.