Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, daß es ohne Einschaltung des fachkundigen deutschen Importeurs offenbar nicht geht, hat sich bei der Abwicklung der Kartoffel-Lieferungen aus den USA während der letzten Wochen ergeben. Kartoffeln sind, für die Vereinigten Staaten, kein gängiger Exportartikel. Deshalb fehlt es „drüben“ auch an Erfahrungen, wie solche Lieferungen durchzuführen seien. Man hatte, um den in den Golfhäfen liegenden Schiffsraum auszunutzen, die für Deutschland bestimmte Ware nach dem Süden und nicht nach den Häfen der Ostküste abgefahren, ohne zu bedenken, daß bei der schon weit vorgeschrittenen Jahreszeit eine so empfindliche Frucht, wie es die Kartoffel nun leider einmal ist, Schaden leiden würde.

Ein Teil der Kartoffeln mag bereits in überhitztem Zustande eingeladen worden sein. Auf der Reise ist dann die Fracht vollends verdorben. Von rund 20 Schiffsladungen, so wird uns berichtet, sind fünf mit erheblichen Beschädigungen angekommen; eine Schiffsladung war völlig verdorben – mit einer Temperatur von über 70°C im Schiffsraum – so daß die Ladung noch nicht einmal mehr als Viehfutter verwendbar war; selbst ein Verbrennen zu Schnaps kam nicht mehr in Frage: „Zum Teufel ging der Spiritus“, und nur fauliger Schlamm war geblieben ... Auch bei den fünf Ladungen, die „nur“ teilweise beschädigt waren, ergab sich, daß jeweils einige tausend Tonnen als Viehfutter verwandt werden mußten, und daß darüber hinaus je etwa 1000 t als völlig wertlos (allenfalls noch als – schlechter – Dünger verwendbar) abzufahren waren. Teures Viehfutter, noch teurerer Dünger! Man bedenke: Vorfrachten, Seefrachten, Warenpreis, Löschkosten und Kosten für die Abfahrt aus den Häfen – alles umsonst ausgegeben (und größtenteils in Devisen!), dazu noch die Verärgerung der notleidenden Verbraucher die nicht verstehen können, daß angesichts der furchtbaren Mangellage noch ganze Schiffsladungen sehnsüchtig erwarteter Lebensmittel dem Verderb preisgegeben werden ...

Wird man die Konsequenzen aus diesen und ähnlichen Erfahrungen ziehen? Es ist wohl kaum zu verantworten, daß infolge mangelnder Sachkunde und deshalb, weil keine Stelle das kaufmännische Risiko zu tragen hat, die Zweizonenwirtschaft mit dem vollen Dollarpreis für Lieferungen belastet wird, die nicht vollwertig hier ankommen, sondern in erheblich geminderter Qualität. Helfen kann wohl nur, wenn endlich einmal Ernst mit den Ankündigungen gemacht wird, daß deutsche Stellen voll verantwortlich in die Durchführung der Auslandslieferungen eingeschaltet werden. G. K.