Die Industrie- und Handelskammer Damstadt legt eine von Dr. Wilhelm Köhler verfaßte Denkschrift „Währungsreform“ vor. Sie enthält, außer einer allgemeinen Begründung, den Entwurf eines Gesetzes „zur Beseitigung des übermäßigen Notenumlaufs“, die Richtlinien für die Errichtung einer Vermögensausgleichsbank, ferner Richtlinien für die Regelung der Entschädigungsforderungen (Kriegssachschäden und Flüchlingsentschädigungen), den Gesetzentwurf für die Erhebung einer Vermögenszuwachsabgabe und schließlich den Entwurf eines Gesetzes über eine einmalige (mit der Abwertung gekoppelten) Vermögensabgabe. Ohne uns mit den Einzelheiten der vorgeschlagenen Regelung zu identifizieren, verweisen wir auf die einleitenden Bemerkungen des Vorschlags, die knapp und klar darlegen, warum bald und ohne weiteres „Zuwarten“ an die Geldreform herangegangen werden sollte.

Nach unserer Ansicht ist weiteres Zuwarten ebenso grundfalsch wie die Ansicht, die Währungssanierung könne eine Fülle neuer Probleme, mit denen man einfach nicht fertig werde, aufwerfen. Durch geldliche und steuerliche Manipulationen werden niemals Werte geschaffen und ebensowenig Werte zerstört. Richtige steuerliche und geldliche Dispositionen erleichtern jedoch die Schaffung von Werten, während falsche Maßnahmen und krankhafte Zustände die Werteschaffung erschweren.

Die Gesamtheit des deutschen Volkes wird durch geldpolitische Maßnahmen nicht ärmer und nicht reicher. Die tatsächliche Gesamtlage ist durch die Vergeudung der Produktionskraft des ganzen Volkes während langer Jahre, die Zerstörungen des Luft- und Landkrieges, das Flüchtlingsproblem und einige weitere Umstände gegeben. Der Geldschleier, den die Finanzierungsmethoden des Dritten Reiches geschaffen haben, verdunkelt das Bild nur insofern, als der einzelne nicht weiß, wieviel von der gebliebenen Vermögensmasse ihm zuständig ist. Er wird viel besser und viel vernünftiger haushalten und disponieren, wenn ihm über diese Fragen endlich Klarheit gegeben ist.

Es ist völlig irrig anzunehmen, daß die Klärung der Vermögensverhältnisse der Allgemeinheit untragbare neue Unterstützungsverpflichtungen auferlege. Keine Maßnahme ändert etwas an der Tatsache, daß 66 Millionen Menschen zu ernähren und zu bekleiden, zu erwärmen, unter Dach zu bringen und kulturell zu versorgen sind, sowie daß dies nur durch diejenigen geschieht, die tatsächlich produktive Arbeit leisten, d. h. Nahrungsmittel und Bekleidung, Wohnung und Brennmaterialien, kulturelle Güter und dergleichen erschaffen. Wohl aber hindert der Schleier Einblicke in die tatsächliche Situation, und der Geldüberfluß stört ständig alle Dispositionen.

Es ist unmöglich, den Ausgleich zwischen denjenigen, denen der Krieg alles genommen hat, und denjenigen, denen er den Besitz unverändert beließ und gar vermehrte, immer weiter hinauszuschieben. Selbstverständlich aber ist dies nicht möglich, ohne an den Besitz, der Ungeschädigten heranzutreten. Daß an diese erhebliche Ansprüche gestellt werden müssen, ist den Betroffenen längst nicht mehr fremd. Auch sie werden es nur begrüßen, wenn bald über das tatsächliche Maß der Abgaben Klarheit geschaffen wird.

Daß für eine Gesundung der Verhältnisse weitere Maßnahmen, insbesondere Steigerung der Produktion, Klärung der Reichsgrenzen, Vereinheitlichung der Zonen, Klärung der Reparationsfragen; Änderung der Steuergesetze usw., nötig sind, ist selbstverständlich. Eine Stabilisierung der Geldverhältnisse setzt gleichzeitig eine solche von der Warenseite, d. h. die Wiedergewinnung normaler Produktionsverhältnisse, voraus. Niemand wird von der Durchführung unserer Vorschläge allein die Rückkehr zu normalen Verhältnissen erwarten. Sie werden jedoch keiner der erforderlichen weiteren Maßnahmen entgegenstehen, im Gegenteil, sie werden diese erleichtern und begünstigen. Sie werden dahin führen, daß Geld wieder jenes ausgezeichnete Lenkungsmittel sein kann, das es in Zeiten guter wirtschaftlicher Entwicklung war, teils automatisch wirksames Regulativ, teils Steuerungsinstrument in Händen einer weisen Staatsführung