Werner Egk trat mit seiner „Versuchung des Heiligen Antonius“ zum erstenmal seit Kriegsende wieder vor das deutsche Publikum. Er dirigierte seine konzertante Kantate nach Arien und Versionen von Sedains aus dem 18. Jahrhundert selbst im Kurhaus von Baden-Baden. Ein virtuoses Streichorchester umtrillert; umgirrt und um-, rauscht die vornehm geführte Altstimme, der die dreizehn teilweise mehr amüsanten’als tiefgründigen Chansons zugeschrieben sind. Es ist eine andere Versuchung des Heiligen Antonius, als die Hindemith’sche in „Mathis der Maler“. Arien, wie das zierliche „Cure, Iure et flon, flon“ führen in ihrem schalkhaften Ernst weit ab von der Hindemith’schen. Ekstase wie überhaupt der Zauber des strawinskyhaft lockeren Orchesters diesmal in einer Mischung von Koketterie und Würde liegt. In der Arie „Nous autres Villageois“ erreicht Egk eine Transzendenz des Streicherklangs, die schön in den Stoffkreis seiner neuenZauberoper „Circe“ hinüberreicht, deren Uraufführung übrigens, für Frankfurt am Main vorgesehen ist. Die Kantate zeigt Egk’s Schaffen auf einer neuen Höhe. Er hat die Linie der „Zaubergeige“ und der „Joan von Zarissa“ zum souveränen, struktuellen handfesten Spiel mit Scherz, Satyre, Ironie und tieferer Bedeutung der Liebe weiter entwickelt. Die Altpartie wurde von Eliette Schenneberg aus Paris vollendet vorgetragen.

Das Baden-Badener Orchester setzte mit Egk die so glücklich begonnene Uraufführungsreihe fort. Vorausgegangen war das Violinkonzert von Wolfgang Fortner, das von Taschner gespielt wurde.

Egon Vietta