Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Bremen, Herr Arnim Bölken, stellt um – nach einem Besuch der Ausstellung „Unser täglich Brot“ in Hamburg – die folgenden Ausführungen zur Verfügung, die wir gern wiedergeben.

Wenn ich mit meinen Berufskollegen die Reise „mit sehr zweifelnden Gefühlen über das, was uns dort geboten werden könnte, antrat, so war“ wir doch überrascht über den Aufwand, mit dem die Industrie und das Gewerbe die Ausstellung gestaltet hatten. Die Eintrittskarten mit dem Text; „Der Schaffende fordert sein Bier aus Hopfen und Malz, das durststillende Getränk mit hohem Nährwert“ ließen in uns sogar die schwache Hoffnung aufkommen, ob wohl auf der Ausstellung entsprechende Kostproben zur Verfügung ständen.

Aber wie uns in dieser Beziehung die Eintrittskarte enttäuschte, so ging es uns an fast jedem Stand. Zu kaufen gab es bis auf verhältnismäßig wertlose Dinge, die besser nicht hergestellt würden. gar nichts. Wir sahen alle die Geräte (Hacken, Schaufeln, Fräsen, Ausrüstungen für Seefahrer, Konservendosen und Verschlußmaschinen. Molkereibedarfsartikel, ja sogar Milchwattefilter), die uns heute in der Landwirtschaft fehlen und die uns helfen könnten, die Produktion so zu steigern. wie es notwendig wäre. Voller Farbenpracht standen dort die gummibereiften Wagen, die Dreschmaschinen, Ackergeräte, Jauchepumpen usw., aber sie waren eben nicht erhältlich!

Verschiedene Aussteller fragte ich, da sie keine Aufträge (oder nur einen Auftrag auf ungewisse Zeit) entgegennahmen, aus welchem Grunde sie dort überhaupt standen Die Antworten waren recht verschieden. Bei manchen war eindeutig festzustellen, daß sie dort auf dem Ausstellungsgelände die beste Möglichkeit zu haben glaubten, unter Vermeidung des Briefverkehrs auf mündlichem Wege Kompensationsgeschäfte abzuschließen. Einige Firmeninhaber zeichneten sich durch besonders soziales Verständnis aus, indem sie mir gegenüber die Frage aufwarfen: „Vielleicht können Sie bei Lieferung von Maschinen unserer Gefolgschaft etwas helfen.“ Andere ließen erkennen, daß sie noch reichlich Bargeldmittel zur Verfügung hätten und eine „Erinnerungspropaganda“ durchführen wollten. Manche sagten, daß die Veranstalter die Ausstellung in Gang gebracht hätten, um für sich ein Geschäft zu machen, und daß das beste Geschäft hierfür wiederum in den Händen der Werbefachleute und derjenigen Firmen läge, die Tische und dergleichen zur Verfügung stellten. Einige erzählten mir auch „ganz vertraulich“, daß die Ausstellung ihres Erachtens auf Veranlassung der Briten eingeleitet sei, damit diese sich ein Bild machen könnten über die Leistungsfähigkeit und die Warenvorräte der noch vorhandenen deutschen Industrie,

Für uns war jedenfalls die Ausstellung sehr enttäuschend, Wir sagten uns, daß die Kritik, die über die Leipziger Messe erfolgt ist, auch für diese Ausstellung zuträfe. Man sollte doch hier in der Westzone nicht die Fehler wiederholen, die man in der Ostzone kritisiert hat.

Zum Schluß möchte ich noch erwähnen, daß ein großer Teil des Hamburger Publikums infolge seines Ernährungszustandes großes Mitleid bei uns erweckt hat. wenngleich einige deutlich erkennbare Schiebertypen eine geradezu herausfordernde Ausnahme bildeten.

Wenn uns Landwirten vielleicht mehr als manch anderem Berufsstand klar ist, was zur Linderung der Not geschaffen werden muß, so kann nicht offen genug gesagt werden, wie gerade diese Ausstellung wieder beweist, welches Mißverhältnis zwischen dem Produktionsweisen der Landwirtschaft und dem Mangel an Bedarfsmitteln vorliegt. Wenn sich heute die politischen Parteien über Änderung der landwirtschaftlichen Organisation die Köpfe heiß reden und Menschen, die in der Landwirtschaft nicht arbeiten wollen, über Erfassungssysteme nachdenken, so wäre es in der Tat wichtiger und für die gesamte Volksernährung fruchtbringender, wenn man sich über die Möglichkeit einer Produktionssteigerung Gedanken machte und ein Industrieprogramm aufzöge, das der Landwirtschaft alles das zur Verfügung stellt, was zur besseren Bodenbearbeitung und der damit verbundenen Erntesteigerung dienen kann. Bleiben die Zustände so, wie diese Ausstellung uns wieder ein praktisches Beispiel gegeben hat, gehen wir mit unserer eigenen Nahrungsmittelproduktion in Deutschland einem grauenhaften Ende entgegen.