Erster Film aus Österreich

Der Schuster hat kein Material, die Schuhe zu besohlen. Der Elektriker hat keinen Draht So eben auch die Filmleute Materialschwierigkeiten, und auch in Österreich scheint alles, knapp zu sein. Immerhin, dort in den Bergen gab’s Schnee im Überfluß, völlig unkontingentierten Schnee. Und das war ja seit je das Lieblingsmaterial österreichischer Filmkortfektion: Schnee, Berge, Wintersporthotels mit allem Komfort und ein paar Skihasen. auch „Rassekatzerl“ genannt. Man kennt das Rezept.

Geza von Cziffra ist der Autor und Regisseur dieses ersten österreichischen Films aus dem „Friedensjahr 1946 in Wien“ (wie das Programmheft anläßlich der Fest- und Uraufführung während der Feierlichkeiten des 950jährigen Österreichs pompös vermerkt). Cziffra?Man hatte von diesem vielbeschäftigten Filmschriftsteller annehmen können, daß bisheriger Zwang und Unfreiheit seine Produktion hemmten. Nun aber kann man sehen, wie er in der neuen Freiheit aus dem Vollen schafft, aus dem Schnee ... In Berlin, so hört man, hat das Publikum bei der Aufführung dieses österreichischen – wie sagt man doch in der Landessprache? – „Schmarrens“ nicht mitgemacht. Es ging in hellen Scharen weg und störte die Vorstellung. In Hamburg (Capitol) war man, wie es sich hier gehört, viel geduldiger.

Man fühlt einiges Bedauern für einen bedeutenden geistvollen Schauspieler wie Ewald Balser, daß er imstande ist, mitzumachen in einem so farblosen, vorgestrigen, eisgefrorenen Rührkitsch, der keine Plattitude meidet und alle geistigen Kosten scheut. Geist – dieses Material scheint nun einmal am allerknappsten zu sein! – Leicht beschämt bei den jetzt herausgekommenen ersten Werken der – deutschen und österreichischen Filmproduktion, will es uns scheinen, daß wir demnach allen Grund hätten, bei der heutzutage immer bereiten Kritik an den Filmen Frankreichs, Englands und der USA zurückhaltender zu sein, zumindest solange, ehe wir’s nicht besser können. Erika Müller