Während des Krieges hatten die Fischereiflotten an der amerikanischenAtlantikküste mehr als gut verdient, mit ihnen die von Kanada, Neufundland und Island. Die Preise und die Verdienste waren in die Höhe gegangen. Es gab Zeiten, in denen Skipper 25 000 Dollar im Jahre als ausreichend betrachteten, Deckshände 5 000 Dollar alsDurchschnitt ansahen und sich ein Motorschoner, der fast. 100 000 Dollar gekostet hatte, in einer Saison bezahlt machte.Statt der Fischerei auf den Bänken, mitDories und Angelleinen wie bisher, wurden aber die Gründe mit Schleppnetzen abgeharkt und ein Kindermord unter den Jungfischen begangen. Der US Fish and Wildlife Service bezifferte die Vernichtung von Jungkabeljaus, allein durch die Fischflotten der US-Atlantikhäfen, auf 63 Mill. Stück im Jahr. Große Schoner warfen in zwei Tagen 100 000 Pfund Jungfische über Bord.

Es kam das Kriegsende. Nicht nur mußten die Schoner wegen der bisherigen Raubfischerei immer weitere Reisen machen – der Fisch hatte nun auch wieder denWettbewerb mit Fleisch, Käse undEiern zu bestehen. Außerdem unterboten die Fangflottenvon Neufundland und Island die Preise. Die gute alte Zeit: in der man 5 000Dollar als Fixum angesehen hatte, sind „gone with the war“. und heute muß die Deckshand 120 Dollar je Reise von 14 Tagen als ausreichend ansehen. Die Eigner und die Fischindustrie haben ausgerechnet, daß die hohen Fischpreise und damit die Löhne nicht zu halten sind; die Fischer aber interessieren sich nicht für die Preise, sondern für die Endsummen auf den Lohntüten. Um den Verdienst, an den man sich gewöhnt hatte, zu erhalten, griff man zu bewehrten Mitteln: man streikte. Neuschottland begann. Da man sich für den Streik natürlich das beste Fischwetter aussuchte, gelang es bald, die Prozente für den Fangverdienst je Reise, nachAbzug der Betriebskosten von 50/50 auf 60/40 zugunsten der Mannschaft zu erhöhen. Damit hatte Harry C. Meade, das beste Pferd der kommunistischen Partei Kanadas und Boß der Fishermen’s Union, einen Erfolg errungen.

Mittlerweile aber waren die Fischpreise weiter gefallen, und als Anfang März 29 Motorschoner 2 Mill. Pfund Fisch landeten, konnten sie in Boston knapp 120 000 Pfund auf der Versteigerung los-, werden. Es lag weniger an den Käufern; es lagmehr am Gesetz der Gewerkschaften. Da die AFL-Fishermen’s Union den Preis inoffiziell auf 9 cents festgesetzt hatte und mir 8,5 geboten wurden, blieben die Fische liegen „wie das Gesetz es befahl“. Um der ganzen Angelegenheit Nachdruck zu verschaffen, löschten die organisierten Stauer die Fische nicht. Von den Fängen der letzten Wochen mußte so der größte Teil zu 4Dollar je Tonne an die Fischmehlfabriken verkauft werden – und das hält auf die Dauer die beste Reederei nicht aus. Dazu kommen weitere Absatzschwierigkeiten. Im letzten Jahre lagen 4 Mill. Pfund Rosefisch eingefroren in den Lagern; heute sind es schon 15. Auf der anderen Seite des Atlantik riecht es etwas faul – nach nicht mehr ganz frischen Fischen.

Auch rings um die Nordsee scheinen die Fische nicht mehr ganz frisch zu sein.Der Krieg hat auch die englische Fischereiflotteverringert, während die Kutter- und Trawlerflotten Dänemarks und Norwegens gut durchgekommen, die von Schweden und Island sich erheblich vergrößert haben. So gibt es Fisch-Schwemmen auf allen Seiten der Nordsee, ausgenommen auf der deutschen. Die Preise fallen und mit ihnen,die freundschaftlichen Beziezwischen den Konkurrenten. „Weniger Fisch“ ist die Parole.Nach dänischen Berichten wurde jenseits der Nordsee vorgeschlagen, die Fischereiflotten, auf den Vorkriegsstand zu bringen: die Dänen und Schweden sollen also abrüsten. Da man aber nicht weiß, ob Kontinentaleuropa nicht doch bald Fische kaufen muß oder kann, möchten die Leidtragenden einen anderen Weg gehen: indänischen Fischereikreisen wirderwogen, die Maschen der Netze zu vergrößern, damit mehr Fische durchschlüpfen können.Sowill mandiePreises halten und die Kutter behalten.

Norwegen, hat eine Lofotensaison hinter sich die einenFang brachte, der um 40 v. H. über dem Durchschnitt der Vorkriegsjahre lag. Der Tausch gegen Ruhrkohle ist aber ebensowenig geglückt, wie der von Waltran.

In England bemühensich die Reeder und Fischer den dänischen und holländischen Kuttern das Landen ihrer Fänge möglichst zu erschweren, außer an den Kaisder Fischmehlfabriken. Abgesehen von Streiktagen und Schlechtwetterperioden hat man in einzelnen Häfen Sonderfeiertage eingeführt; um die Fische in der Tiefe und damit die Preiseauf der Höhe zu lassen.

Was hält eigentlich die FAO, die Welt-Ernährungsorganisation davon? Es dürfte kaum der Sinn der Fischerei sein, Fische nicht zu fangen. Es geht ohnehin genug durch zu weite Maschen...