Von A. J. Forrest

Von London nach Suffolk sind es nur sechzigMeilen, Auf den, der dorthin kommt, wirkt diese englische Grafschaft ungastlich. Kaum jemals rafft man sich auf, Besucher – die’-man alle als Ausländer ansieht – willkommen zu heißen. Mit Ausnahme jener wenigen, die verstehen, feinere Unterschiede zu machen, empfinden die Londoner diesen Landstrich als flach, öde und feindselig, und was sie von den Menschen dort halten, ist nicht gerade schmeichelhaft.

Ich bin in dieser Grafschaft geboren. Wieder hier zu sein nach einer Abwesenheit von acht Jahren – sechs in der Armee und zwei in der britischen Zone Deutschlands – ist für mich eine große und unermeßliche Erleichterung. Frei geht der Blick hinüber zu den Hügeln. Keine störenden Trümmer gibt es hier und nichts, was Trauer weckt.

John Constable, der beste Landschaftsmaler, den England je gehabt hat, wuchs auf inmitten dieser regellosen Hecken und der langsam dahinfließenden Bäche. „Ich liebe jeden Baumstumpf, jeden Zaunpfahl, jeden Dorfanger – so tief wurzeln frühe Eindrücke“, schrieb er einmal. Er bewahrte diese Liebe sein ganzes Leben hindurch; der Ruhm verdarb ihn nicht; Die Franzosen – und das ist bezeichnend – würdigten, ihn lange, bevor seine eigenen Landsleute daran dachten, und wir, die wir wie er aus Ost-Angeln stammen, waren am wenigsten bereit, ihn gelten zu lassen.

Geht man die paar Meilen hinüber nach Bergholt, seinem Geburtsort, und fragt man dort irgend jemanden, wo Constable geboren ist, so erhält man zur Antwort: „John Constable? War das nicht ein Maler? Ja, das kann ich Ihnen so genau nicht sagen.“

Die Menschen ändern sich nicht. Genau wie vor dem Krieg liest auch heute fast jeder seine Ortszeitung zunächst einmal wegen der Geburts-, Heirats- und Todesanzeigen. Hier befriedigt er seine Neugier – eine unwandelbare Neugier – was die angeht, die täglich „geboren, erkoren und verloren“ werden. Dann noch ein Blick auf die Polizeinachrichten, um festzustellen, wer gerade im Druck ist – das ist schon beinahe alles. Für die Bewohner bleibt die Grafschaft eine Gemeinde.

Unser Dorf heißt Creeting St. Peter, nach Creeta, einem alten. Dänenkönig und einstmals erfolgreichen Eroberer. Heute sind es die Krähen, die dort die besten Hoffnungen erwecken. Die geräuschvollen Vögel haben in diesem Jahr ihre Nester ungewöhnlich hoch in die Ulmenzweige gebaut, so hart an den Baumspitzen, als sie nur irgend konnten. Wenn die Krähen so hoch nisten, heißt es bei uns, daß ein trockener, warmer Sommer bevorsteht. Wir brauchen ihn – alle brauchen ihn; –