Thomas Heywood ist ein jüngerer Zeitgenosse Shakespeares gewesen, und soviel ist gewiß, daß er die heiteren Werke seines großen Landsmannes durchaus studiert hat. Seine Harfe ist auf Shakespeares Wohllaut gestimmt und klingt süß, wenn auch in engeren, viel irdischeren Melodien und ohne die weiten Akkorde, in denen, wenn der Genius aus Stratford sie anschlug, zugleich mit dem Augenblick immer auch eine Ahnung der Ewigkeit klang. – Erich Ziegel, unvergessener Inspirator des Hamburger Theaterlebens in besseren Zeiten, hat Heywoods Dichtung unter dem modernen Komödien-Titel ,,Liebe List und lauter Lügen“ in klassischem Versmaß neugeschmiedet, Und daß das Thalia-Theater just zur Hamburger Dichterwoche dieses Werk zum ersten Male aufführte – und mit welcher Liebe, zeigten die putzigen, für heutige Verhältnisse prächtigen Bühnenbilder Otto Gröllmanns und die feingesponnene Musik Edmund von der Medens –, ehrt beide Teile: Ziegel, der keine Gelegenheit hatte, nach Hamburg zurückzukehren; und das Theater, das wenigstens verspricht, in seinem Sinne zu wirken, und sei es vorerst auch ungewiß, ob dieses Versprechen wird gehalten werden, können. Diese Aufführung jedenfalls war ein sehr verdienter Erfolg und hat der deutschen Bühne, die an Komödien ja nicht geradereich ist, ein bezaubernd fröhliches Stück gesichert.

Venedig. Kostüme und Noblesse der Renaissance. Ein junger Mann steigt aus verzehrenden Flammen der Begierde wie ein Phönix zu den Höhen reiner Liebe empor, während sein Diener, Abbild des ewigen Leporello, zusammenlügt, zusammenfügt, was das Schicksal trennen wollte. Dies war eine ausgezeichnete Rolle für Heini Göbel an Peter Mosbachers Seite und wird für jeden Komiker eine großartige Aufgabe sein. Schade nur: die beschwingte, flüssige, in der Gestik liebenswürdig gelöste Darstellung nach Hans Bauers Regie war dann und wann zu laut und zu gewichtig. Man schreit nicht, was im Flüstern eindrucksvoller und natürlicher Klänge!

Übrigens, da es Sommer wird: Die Stars flattern wieder von Stadt zu Stadt und lassen sich gastweise nieder, wo geeignete Bühnen vorhanden. In Hamburg ist. das „Intime Theater“ so ein Star-Kasten, und Charlotte Daudert ist’s, die dort in Molnárs „Fee“ auftritt. Sie stellt ein Mädchen dar, das – wie dies nicht immer nur auf dem Theater möglich – heute noch ein Flittchen, mit Verlaub gesagt, aber morgen eine großbürgerliche Gattin, eine große Dame ist. Sie lügt – auch sie, wenn auch nicht in Versen, sondern geradezu effektvoll alltäglich – in guter Absicht, freundlicher List und zu gutem Ende. Fraglos eine Darstellerin, die mehr versteht, als flotte Gesellschaftskleider auf ihrem in jedem Bezug (und auch weitgehend ohne Bezüge) sehenswert anmutigen Körper zu tragen. Sie ist ihrer vielseitigen darstellerischen Mittel, deren Stärke vor allem in einer Art von sympathischer Clownerie gesteht, absolut sicher. Und dennoch fragt man sich lächelnd: Wozu der Unsinn dieses heiter-frechen Spiels? Wozu? J. M.