Im Direktionsbezirk Hannover ist seit Aufhebung der im Winter verhängten Sperre die Gesamtwagenanforderung auf 9 000 bis 10 000 Stück täglich gestiegen, während ihr ein Bestand von nur 4 500 Wagen gegenübersteht. Dabei ist aber an 50prozentige Deckung des normalen Bedarfs gar nicht zu denken, da auch hier die Dringlichkeits-Abstufung kaum den bevorzugten Güterverkehr in vollem Umfang zuläßt.

So wird der verfügbare Raum an G-Wagen durch Anforderungen für Militärgut und die sich aus. der Einfuhr ergebenden Anforderungen des Raumes Bremen bereits zu 50 v. H. verbraucht, und die dann noch verbleibenden 25 v. H. der angeforderten Wagen reichen schon nicht mehr aus, um den für Lebens--und Düngemittel und für Exportaufträge notwendigen Raum zu stellen. An O-Wagen werden täglich etwa. 3 000 angefordert, denen nach Erledigung der Abgabe an die Ruhr, die mit täglich 15 Zügen ohnehin nicht ausreichend ist, nur noch 900 verfügbare Wagen gegenüberstehen. Auch hier sind in erster Linie (und voll) die Anforderungen der Besatzungsmacht zu decken, insbesondere für Exporthölz, Exportschrott, Baustoffe für militärische Bauvorhaben, Einfuhr- und Durchfuhr (Erz über Bremen nach der Tschechoslowakei usw.). Was dann noch verbleibt, wird im wesentlichen für den Kohlenumschlag gebraucht, so daß das an der Ruhr dringend gebrauchte Grubenholz, wie auch Schrott, nicht mehr in genügendem. Umfange verladen werden kann. Und da schließlich alle verfügbaren Lang- und Flachwagen für das ständig sich steigernde Holzausfuhrprogramm herangezogen werden, und somit eine Wagengestellung für den zivilen Bedarf (insbesondere Lang- und Bauholz, Eisen-, Stahl- und Walzwerkerzeugnisse) völlig ausfällt, auch nicht einmal der Eigenbedarf der Reichsbahn voll gedeckt ist, kann sich jeder leicht ausrechnen, daß sein nicht-bevorrechtigtes“ Verladegirt von der Beförderung ausgeschlossen ist, ganz gleich, bei welcher Dienststelle der Reichsbahn er es beantragt.

Das von der Reichsbahndirektion Hannover gezeichnete Bild läßt, einen Einblick in die Wagenlage aller Direktionen der vereinten Zonen zu. Es wird jetzt und in nächster Zeit nur noch der Bedarf der Besatzungsmacht, des Imports des Exports und der Durchfuhr, des Lebensmittel-, Kohle- und Düngemitteltransports gedeckt werden. können. Wenn sich auch die Dienststellen der Reichsbahn darüber klar sind, daß eine Ablehnung der Transporte für den Wiederaufbau schwerwiegende Folgen nach sich ziehen muß, so ist doch unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine andere Regelung nicht möglich. Besonders Gewicht erhält bei dieser Betrachtungdie Tatsache, daß (seit April 1946) 95 000 ins Ausland und nach der Ostzone abgegebene Güterwagen nicht oder schwer beschädigt zurückgegeben worden sind. Es wird daher die Abgabe von Wagen aus der vereinten Zone nur nach im Austausch gegen hereingenommene erfolgen können.

G. Schnabel.