Die schon an und für sich nicht leichte Arbeit der seit Anfang April in Genf tagenden Welthandelskonferenz (genauer: Zweite Vorkonferenz für Welthandel und Beschäftigung) ist von einem "Dolchstoß" bedroht. Während man in einer von Völkerbunckeritrr erungen durchsetzten Atmosphäre über Zollabbau und Niederlegung auch der sonstigen Handelsschranken berät, hat dierepuUSA Wollerzeugung beschlossen, der die Ermächtigung zu einer — dem Umfang nach ins Ermessen der Reg eruag gestellten — Zollerhebung für Rohwolle in sich schließt.

wartet unter Umständen ein Veto des Präsidenten, der mit seinem Kabinett zur Scbutzzollfrage eine grundsätzlich andere Stellung einnimmt ak die in beiden Häusern de Kongresses tonangebende Repvtblikanische Partei, die zunächst sogar einen festen Zollsatz von 50 y. H des Einfuhrwertesvorgeschlagen, diesen Vorschlag aber dann zurückgezogen hatte. Noch, ist der Dolchstoß also nicht geführt, und! es besteht Hoffnung, daS- er überhaupt abgewendet wird. Aber die Tatsach, da0 ein solcher Beschluß mit IJI sä 65 Stimmen gefaßt wurde zeigt deutlich, wie stark die Gegenströmung au der TOD det- Demokratischen Partei wad der Regierung Truman propagierten und ver- folgten liberalen handelspolitischen Linie ist. Dabei dürften auch die ideologisch, und praktisch für neue Hochscfautzzölle plädierenden republikanischen Politiker Sich darüber klar ein, daß s sich hier nicht WH technisch Spezialfragehandelt, über die Fachleute und Interessenten Eich die Köpfe heiß reden mögen, sonders um einen repräsentativen Fall für eine Schlüsselfrag der Weltwirtschaft in der jetzt einsetzenden Nachkriegsepoefae, ;> Sie wiesen, daß die USA, wenn sie ihren Schuldnern (und wer ist nicht ihr Schuldner oder wird es demnächst sein!) triebt erlauben, in Waren za zahlen, überhaupt nicht bezahlt werden können, sind daß der neue Welthandel in diesem Fall gar nicht erst sur Entfaltung kommen kann. Auch die psychologische Wirkung de® erwähnten Beschlusses mitten ia die von amerikanischen "Delegierten stark mitbestimmte Konferenz hineia kann unmöglich einZufall sein. Eine besondere Pointe hat die Angelegenheit insofern, als der hier konkret betroffene Handel mit Wolle ganz überwiegend ein Geschäft mit deBi Britischen Empire ist. Die Lieferanten, gegen deren Konkurrenz man die einlieimischea Schäfzüchter schützen will, sind ia erster Linie Australien, Neuseeland, und Südafrika, die zusammen etwa 75 v. Hde§ an den Weltmarkt gelangenden. Wöllangebots repräsentieren, und dannerst, in geraumem Abstand, Argentinien und Uruguay. Für die drei Dominien ist die Wolle ein Tragpfeiler ihre Außenhandels und sind die, USA ein so wichtiger Abnehmer, daß der Fall schnell zur KäMtMlrrag e wird. Es ist bereits aus den Dominien die Ansicht laut geworden, daß man EmpireWolle und USA Autos zu einem Zug um Zug Geschäft verkoppelt solle: Laßt ihr unsere Wolle nicht herein, so bleiben ewe Automobile draußen! Die Wolle ist nächst der Naturseide der teuerste Spinnstoff und der für die Rüstung interessanteste. Allerdings werden für Uniformen nur die groben, aus Kreuzzüchtung, stammenden Sorten In großen Mengen gebraucht. Die feinen Merino Qualitäten, in denen Australien weitausin Führung liegt werden dagegen jetzt vonder lange aufgestauten FräeUSA Schaffarmer hängt mit diesem Sortenproblem zweifellos zusammen. Die sehr großen, wenn auch TOD starker Hand kontrollierten Vorräte an Rohwolle in den Ausfuhrländern, von Jenen bisher mit Geschick am aufnahmebereiten Weltmarkt laufend soviel abgesetzt worden ist, wie ohne Erschüttemag des — recht hohen — Preisniveaus möglich. war, werden nodi auf Jahre hinaus das M&rktbild beeinflussen. Sie bestehen zum großen Teil aus grob Sorten, und vom Standpunkt der Wellerzenger — indirekt auch derjenigen in USA — wilrd es die praktischste- Lösung sein, wenn die durch deri Ktieg verarmten und zerstörten Länder, deren dringender Bedarf an Wollwaren bisher aus Kaufkraft- und Devisengründen am Weltmarkt nicht in Erscheinung tritt, Ja den Stand gesetzt würden, zu kaufen. Sie würden gern gerade die billigen, gröberen Sorten nehmen, die jetzt vernachlässigt sind. Eia bescheidener Anfangdazu ist ia Deutschland durch die über das Wolleinfuhrkontor Bremen laufenden Sendanger gemacht worden Ilse Brune