Von Axel Use

Als ich jung war, galt Waldemar Bonsels als einer der populärsten Dichter. Seine „Indienfahrt“ und seine „Menschenwege“ gingen damals bei uns jungen Leuten von Hand zu Hand> Die ‚.Biene Maja“ wurde von einer Sprache in die andere übersetzt, und sein Renomee erstrahlte in Pracht und Herrlichkeit, wenn auch zugegeben werden muß, daß es vorwiegend Damen waren, die den Ruhm dieses neuartigen Troubadours lächelnd weiterreichten.

Auch ich bekam damals das erste Buch dieses Autors von Mädchenhand überreicht. Es war die stille Aufforderung darin enthalten: „Ihr Jungs, wenn ihr, was die Liebe betrifft, nicht werdet wie dieser da, so werdet ihr keinen Erfolg haben bei den Frauen!“ Es war wie eine Turnieranweisung des Obertroubadours an die Troubadour-Volontäre.

Hinzukam die Bonsels-Legende, die sich in den Gemütern der Mädchen und Frauen eingenistet hatte und die davon handelte, daß allenthalben weibliche Wesen ihr bisheriges Leben verließen, um zu den Füßen des Meisters zu eilen. Als ich auf die Universität kam, erlebte ich einen „Dichterabend“ des Autors Bonsels, eine Veranstaltung, die so überfüllt war, daß die Polizei einschreiten mußte. Und es hatte sich hinsichtlich dieses Dichters ein gewisser Paroxismus so manchen weiblichen Gemüts bemächtigt. Ich erinnere mich, daß mich an einen holden Sommerabend am Rande einer lyrisch vorbildlich verbrämten Lichtung eine Geliebte schnurstracks verließ und mich im Walde stehen ließ – ein vergessenes Männlein – weil ich eine ganz sanfte Kritik an dem großen Gewinner weiblicher Zuneigung geübt hatte. Sie verließ mich, als hätte die Liebe, die zwischen uns war, der Blitz gefällt.

Ehrlich, gesagt, seit damals – und es ist immerhin länger als zwei Jahrzehnte her – habe ich keine Zeile wieder von Bonsels gelesen. Jetzt kam mir ein neues Buch des Autors in du Hände, das 1946 in Hamburg erschienen ist. Es heißt Mortimer“. Der Untertitel lautet: „Der Getriebene der dunklen Pflicht“.

Ich war gespannt, wie sich die Erneuerung einer alten Bekanntschaft anlassen würde. Ich sagte mir: der Marin hat inzwischen doch sicherlich auch allerhand erlebt. Art Abenteuerlichem und an Seltsamkeit – den Bonselschen Spezialitäten – hatte es keinen. Mangel in der Welt gegeben.

Es ist aber durchaus möglich, daß dieses Buch geschrieben wurde, ehe es die Trümmer bei uns gab. Da sind Autotaxen, die man einfach heranwinken kann, und im Berliner Tiergarten stehen noch alle Bäume, und in den großen Hotels fließt das warme Wasser in Strömen, und man reist mühelos von Land zu Land. Es ist alles vorhanden, was gut und teuer war, einschließlich einer Bar mit echtem Friedensgetümmel. Ein bißchen Maurice Decobra ganz wenig Pitigrilli und ein Schuß Wallace (gemeint ist Edgar, der mit der Pfeife – momentan reden die Zeitungen to viel von einem anderen Wallace)