Von Jan Molitor

Diese Stadt hat durch den Krieg ihr Herz verloren, Tatsächlich, der Krieg hat dieser Stadt bei lebendigem Leibe das Herz herausgebrochen. Der Krieg, der Krieg ... Wie lange noch wird jede Beschreibung einer deutschen Stadt, mit den Worten „der Krieg“ anfangen müssen? Ja, und der Wiederaufbau? Wer ins Münsterland kommt, dieses grüne, fette Bauernland, in dessen Mitte früher behäbig, doch mit schlanken Türmen das schöne Münster lag – die einzige Großstadt dieser Landschaft – der sieht auf Schritt und Tritt: jawohl. hier wird gebaut! Häuser, Scheunen, Ställe, Schuppen. Aber in Münster? Diese Stadt ist heute keine Großstadt mehr, ist sie überhaupt noch eine Stadt?

Im Münsterland sah ich gerade, Zorn im Herzen, eine neue, prächtige Scheune an. Geradezu ein Denkmal dieser Erscheinung, daß die Bauarbeiter heute aus der Stadt aufs Land gelockt werden. Wie sagte Friedrich der Große, dieser problematische Urvater der Zerstörung und des Aufbaues: „Eine“ Armee muß vom Bauche aus auferbauet werden!“

Offenbar muß heutzutage jedes Haus, und sei es noch so klein, vom Bauche aus auferbauet werden.

„Schöne Scheune, nich?“ Stand da eine breite, vierschrötige Gestalt mit hellen Augen, die den Zorn im Gesicht des Fremden gelesen haben mußten: der Bauer selbst.

„Deibel noch eins, ja!“

Die Scheune war sehr farbenfreudig. Braune Mauern, rote Ziegel. „Und alles schwarz gebaut“, sagte der Bauer in seinem breiten, pfiffigen Westfälisch. „Saukram, nich?“