Präsident Truman hat seine Doktrin in einer Rede vor dem kanadischen Parlament neu formuliert. Die Vereinigten Staaten wollen allen vom Krieg betroffenen und sich bedroht fühlenden Ländern helfen, wenn diese bereit sind, mit den anderen Staaten als gute Nachbarn auf der Basis der Gleichberechtigung und gegenseitigen Achtung zusammenzuarbeiten, wie es die Vereinigten Staaten und Kanada seit Generationen getan haben. So lautete der Grundtenor seiner Ansprache.

In dieser neuen Fassung hat die Truman-Doktrin ihre antisowjetischen und ölimperialistischen Tendenzen abgestreift und ist somit für die Öffentlichkeit der Vereinigten Staaten und Kanadas annehmbar geworden. Kanada nämlich hatte die Truman-Doktrin in der ursprünglichen Form eher abgelehnt, wie es überhaupt in der Außenpolitik unter Führung des immer mehr in den Vordergrund tretenden Lester B. Pearson bisher seine eigenen Wege gegangen ist. Mißtrauen gegenüber einstigen Expansionstendenzen der Vereinigten Staaten, die ursprünglich "ganz Nordamerika", auch Kanada und Mexiko, umfassen wollten, Angst vor der Konkurrenzkraft der amerikanischen Wirtschaft ließen Kanada bisher eine gewisse Zurückhaltung angebracht erscheinen, aber die Sorgen, um die Verteidigung der Arktis haben neuerdings, eine Annäherung an die Vereinigten Staaten gefördert. Die Rede Trumans zeigt nun, wie sehr den Vereinigten Staaten daran gelegen ist, diese Entwicklung auszunutzen, die Beziehungen enger zu gestalten und dabei Kanada in die panamerikanischen Pläne einzuspannen, insbesondere, in das Programm der militärischen Zusammenarbeit der westlichen Hemisphäre.

Im Rahmen dieses Programms, das Präsident Truman Ende Mai dem Kongreß unterbreitet hat, ist für den Spätsommer eine interamerikanische Verteidigungskonferenz in Rio de Janeiro vorgesehen, um die 1945 geschlossene Akte von Chapultepec den neuen Verhältnissen anzupassen. Während aber dieses Abkommen die militärische Zusammenarbeit nur zwischen den – Vereinigten Staaten und den lateinamerikanischen Ländern betraf, soll jetzt auch Kanada einbezogen werden. Ob Kanada zu einer so weitgehenden Zusammenarbeit bereit ist, bleibt allerdings abzuwarten.

Die Geschichte der panamerikanischen Bewegung war bisher vor allem die der Beziehungen zwischen Argentinien und den Vereinigten Staaten. Sie waren in letzter Zeit merklich getrübt durch die scharfe Frontstellung des Leiters der Südamerika-Abteilung im Washingtoner Außenministerium, Spruille Braden, gegen den argentinischen Präsidenten Perón. Dieser Streit wurde nun durch den Rücktritt von Braden und die Ernennung von Norman Armour zu seinem Nachfolger aus der Welt geschafft. Die damit verbundene Anerkennung des Regimes Perón wird-aber in der amerikanischen Öffentlichkeit als ein empfindliches Abweichen von den Grundsätzen der Unterstützung demokratischer Mächte empfunden, denn die Ausschaltung von Braden bedeutet die Anerkennung einer Macht, die als faschistisch gilt. Die amerikanische Politik muß sich aber über diese Bedenken hinwegsetzen, wenn sie das Programm einer militärischen Zusammenarbeiten der westlichen Hemisphäre verwirklichen will. drgr.