Ein Film nach einer Novelle von Stefan Zweig das was eine vielversprechende Ankündigung. Aber die Erwartungen wurden schon gemäßigt durch Ausführungen im Programmheft mit dem Titel "ln memoriam Stefan Zweig", die die heute übliche allgemeine Umbildung offen zur Schau stellten. Offenbar sind für den Verfasser Stefan und Arnold Zweig eine Person; und so werden "Amok" und "Der Streit um den Sergeanten Grischa" ohne viel Umstände Stefan Zweig zugezählt und gleichzeitig mit dieser Werbung, "daß sie wieder deutsches Allgemeingut werden", die Unkenntnis vertieft.

Aber auch der bewußte englische Film "Ungeduld des Herzens" selbst ("Bcware of Pity", Waterloo, Hamburg) kann uns mit dem Dichter und der Dichtung zieht bekannt, noch weniger vertraut machen, obwohl er mit so guten Schauspielern wie Lilli Palmer und Albert Lieven in eindringlicher Ausleuchtung versucht, das Thema des echten und falschen Mitleids auszudeuten, dieses Thema, daß uns im Anblick des in der Rahmenhandlung erscheinenden Versehrten dieses Krieges besonders zeitnahe. dünkt. Das mit Hingabe dargestellte Milieu der k. und k. Offiziere – noch immer können englische und amerikanische Filmproduktionen da offenbar nicht widerstehen – ist allzu abgespielt, doch bleibt das Bemühen um ein ernsthaftes Problem in einer auf Breitenwirkung berechneten angemessenen Form.

Ein gleich so brennendes Problem, nämlich das Schicksal der armseligen herumvagabundierenden Jugend unserer Zeit, hat der neue Film "Zugvögel" des Berliner Studio 45 (Capitol, Hamburg) ebenfalls kider nicht gemeistert. Abgesehen von der technischen Unzulänglichkeit des Tons, der unsere materelle Armut deutlich macht, hat er auch in anderer Hinsicht allzuviele falsche Töne: denn was sollen unechte Filmbilder einer romantischen Paddebootfahrt und unwahre, phrasenhafte Gespräch: nützen? Daß viele junge Nachwuchsschauspieler (außer Carl Raddatz und Lotte Koch) beteiligt waren, schuf keine überzeugendere Lebensechthet, sondern verstärkte die Unzulänglichkeiten.

Erika Müller