Die deutschen Arbeitervertreter, die als Gäste am Kongreß des Weltgewerkschaftsbundes in Prag, teilnahmen, kamen mit dem befriedigenden Ergebnis zurück, "im Prinzip" in den Bund aufgenommen zu sein. Die Abgeordneten aller Länder. haben diesen Beschluß, einstimmig gefaßt bis aufden Deputierten Polens, der seine Ablehnung mit der Feststellung begründete, daß die Deutschen sich noch nicht mit den neuen Grenzen abgefunden hatten.

Das letzte Mißtrauen ist jedoch noch nicht überwunden, denn die prinzipielle Aufnahme wurde von zwei Bedingungen abhängig gemacht: Die Verbände der vier Zonen und Berlins, die ins-^gesamt sechs Millionen Mitglieder zählen, haben sich zusammenzuschließen, und dem Weltgewerkschaftsbund muß die Gelegenheit gegeben werden; durch eine Verbindungsmission in Deutschland ihre Tätigkeit zu überwachen.

Diese Verbindungsstelle wird in Berlin ein internationales Büro errichten, um gleichzeitig die Wünsche der deutschen Organisationen nach einem interzonalen Zusammenschluß auf der Basis politischer Neutralität beim Kontrollrat zu vertreten und zu fördern. Damit wird der Weltgewerkschaftsbund eine Art diplomatischer Mission beim Kontrollrat unterhalten, in ähnlicher Weise, wie eine Reihe Nationen dort durch Militär- und Handelsmissionen vertreten, sind. Auch bei der UNO hatte der Weltgewerkschaftsbund seinerzeit seine Zulassung, gewissermaßen als sechste Großmacht, beantragt. Damals ist ihm zwar kein vollberechtigter Sitz, aber immerhin eine beratende Stimme zugebilligt worden. Die Entwicklung zeigt, daß er, in vollen Bewußtsein seiner wirtschaftspolitischen Macht, gewillt ist, sein Gewicht auch in der großen Politik zur Geltung zu bringen. –n