"Die Frage der Fetteinfuhr und der Inbetriebnahme von Fabriken für synthetische Fette Wird derzeit vordringlich geprüft."

Sir Sholto Douglas an Minister Lübke.

Die mangelhafte Weltversorgung mit Ölen und Fetten spiegelt sich deutlich in den Stallstiken wider. Die Erhöhung des Lebensstandards in den Kolonialländern während der Kriegsjahre hat den Eigenverbrauch der Erzeugerländer beträchtlich ansteigen lassen. Die dem Weltmarkt verbleibenden Mengen werden zu wesentlich höheren Preisen gehandelt als in Friedenszeiten. Die Nachfrage nach Fett in der Welt übertrifft das Angebot um fast 40 v. H.

Die Zahl von Gutachten, die der Fettsynthese zustimmen, nimmt stetig zu. Ein Betrieb im Ruhrgebiet ist in der Lage, aus 6,7 t Kohle 1 t Speisefett herzustellen. Der Preis der synthetischen Butter entspricht den Naturbutterpreisen. Der Vorschlag, man möge Kohle exportieren, um ausdem Erlös Öl zur Verarbeitung in der Margarineindustrie einzuführen, wird hinfällig, wenn die aufzuwendenden Rohstoffe miteinander verglichen werden: Wir erzielen 43 sh mit dem Export 1 t Kohle. Das bedeutet, daß 72 t Kohle ausgeführt werden müssen, um auf dem Weltmarkt 1 t Öl kaufen zu können. Die unrationelle Handlungsweise im Vergleich mit den zur Erzeugung künstlicher gleichwertiger. Speisefette notwendigen 7 t Kohle liegt auf der Hand. Gewichtiger ist schon der Einwand, daß zur Herstellung der künstlichen Fette Glyzerin verwendet werden müsse und die deutsche Glyzerinproduktion auf den Nullpunkt gesunken sei. Dem ist jedoch zu entgegnen, daß die erforderlichen 1000 t Glyzerin (entsprechend der augenblicklichen Kapazität der Speisefettsynthese von 7500 Jahrestonnen) auch aus innerdeutschen Mitteln zu erzeugen sind. In Mannheim-Waldhof befinden sich die erforderlichen Anlagen, um aus der Vergärung von Holzzucker den notwendigen Zusatz herzustellen. Diese Vergärung ist vertretbar denn der Nährwert einer Zuckereinheit von 3 Kai. wird auf dem Umweg über die Speisefettsynthese auf 9 Kai. erhöht.

Es geht um den Zwang, wenigstens die geringe Ration des deutschen Normalverbrauchers von 7 g Fett je Kopf und Tag aufrechtzuerhalten. Hierzu ist die Erzeugung künstlicher Speisefette ohne Zweifel ein gangbarer Weg. Die Kapazität des Wittener Betriebes kann ohne Veränderung der Produktionsanlagen eine Aufbesserung von 15 v. H. der Fettlage in den Westzonen gewährleisten. Daher haben sich auch die Gewerkschaften dafür eingesetzt, die bereits verfügte Demontage des Werkes aufzuschieben, den Ausbaubefehl rückgängig zu machen und die Erzeugung anlaufen zu lassen.

Einer Inbetriebnahme der Fertigungsanlage steht de im nur das Kontrollratsgesetz entgegen, das die synthetische Herstellung von Treibstoffen verbietet Oder nur solange gestattet, bis eine aus eigenen Mitteln zu bezahlende Wiedereinfuhr an Kraftstoffen möglich ist. Ein direktes Verbot der Herstellung synthetischer Fette ist also nicht ergangen. Da aber die Fettsynthese zum Teil auf der Weiterverarbeitung eines der Primärprodukte des Fischer-Tropsch-Verfahrens beruht, die auch die Grundlage der Treibstofferzeugung sein kann, wird also hier der Haken zu suchen sein. Dann aber wäre uns auch die Herstellung von Schuhcreme oder Lippenstiften zu verbieten; die letzten Endes auf der gleichen Verfahrensgrundlage beruhen. W-n.