Unsere Wohnungskrise beschränkt sich nicht allein auf die Wohnraumnot. Millionen sind gezwungen, in menschenunwürdigen Behausungen Unterschlupf zu finden, wo es auch an notwendigstem Inventar fehlt. Die; heute übliche Ein-Zimmer-,,Wohnung" muß als Küchen-, Wohn- und Schlafraum dienen; dazu sind die wenigen, meist noch geliehenen Einrichtungsgegenstände verwarnt und werden der Raumbeschränkung nicht gerecht. – Neuproduktion?

Die Möbelfabrikation für – den zivilen Bereich, ist praktisch tot, aber der Bedarf an Betten wird allein auf 8 Millionen geschätzt. Und ein Bett gehört wohl zu den wichtigsten Allround-Möbeln, die uns auch bei niedrigem Lebensstandard gebühren. – Nicht weniger Unzureichend ist die Ausrüstung der Krankenhäuser Großstadt-Hospitäler sind teilweise kaum den geringsten hygienischen Anforderungen gewachsen.

In der Erkenntnis dieser Lage haben sich die Produzenten "rund um das Bett" zusammengeschlossen, um der Not zu steuern. Sie vergessen natürlich nicht ihre eigene Situation: Existenzerhaltung und Gewinnstreben – aber die Ziele dieser Fabrikanten entsprechen den Zielen des deutschen Verbrauchers nach einer bescheidenen Bequemlichkeit. Ein unzulässiges Überschreiten des uns zugebilligten Lebensstandards kann dabei nicht herausgelesen werden. Das dem Verwaltungsamt für Wirtschaft vorgeschlagene Notprogramm der Arbeitsgemeinschaft "rund um das Bett" ist maßvoll gehalten. Man sieht eine Befriedigung der Flüchtlinge im Verlauf von vier Jahren mit 50 v. H. des Bedarfs vor; Neuanschaffungen für Eingesessene werden, nur mit 2 v.H. der Nachfrage berücksichtigt. Diese Zahlen sind diktiert von dem auch hier auftretenden, Facharbeitermangel und der Rohstoffversorgung. Man verzichtet bewußt auf Kapazitätsausnutzung auch auf dem Papier, da sie in der Praxis nicht erreicht werden könnte. Die eigenen vernunftbedingten Vorschläge wollen bei den Verbrauchern keine übertriebenen Hoffnungen aufkommen lassen. Ebenso will man, da man keine Luftschlösser baut, bei den Behörden ernst genommen werden.

Daß die lebensnotwendigen Möbel, wenn sie uns allmählich erreichen sollten, den modernen, Erfordernissen entsprechen werden, zeigt eine Ausstellung in Hamburg (Köster AG, Großer Burstah). Eine Couch wird mit wenigen Handgriffen zum Bett; aus einer Liegestatt werden zwei; Klappbetten dienen den im Platz Beschränkten; einen Sessel kann man zur Liegestatt umbauen, und Hospitalbetten für verschiedenste Krankheiten werden gezeigt. Das notwendige Zubehör – Steppdecken, Matratzen, Kissen wird im Kundendienst "aus alt mach neu" geliefert. Bequemlichkeit und Formschönheit, verbunden mit den Erfordernissen des Alltags, beweisen, daß die Kleinindustrie, die fast ausnahmslos hier vertreten ist, das Gebot unserer Tage verstanden hat:

Der Wille zur Leistung und der Wunsch, dem preissteigernden "grauen" Kompensationsmarkt Zu fliehen, verdient alle Anerkennung, auch auf Seiten der Behörden. W-n.