Erklärungen und Dementis

Der österreichische Bundeskanzler Dr. Figl hatte eine vertrauliche Besprechung mit dem, Führer der österreichischen Kommunisten, Dr. Fischer. Ein Vertreter von "United Press" vermittelte der Weltpresse den streng geheimen Inhalt des hierbei gemachten kommunistischen Angebots, so wie er ihn von einer offiziellen Persönlichkeit erfahren habe. Rußland, so habe Dr. Fischer gesagt, werde niemals mit der bestehenden Regierung einen Staatsvertrag unterzeichnen. Er schlage daher vor, das Kabinett umzubilden und eine Reihe kommunistischer Minister an ihm zu beteiligen, was zwar dem Wahlresultat, bei dem seine Partei weniger als 7 v. H. der Stimmen erhalten habe, keineswegs, wohl aber den tatsächlichen Machtverhältnissen entspreche. Die Meldung erschien zuerst in der amerikanisch kontrollierten Zeitung "Wiener Kurier".

Dr. Fischer gab die Besprechung zu, leugnete aber, mit einer russischen Pression gedroht zu haben, und erklärte, Dr. Figl habe von sich aus seinen Rücktritt angeboten, um eine Neubildung des Kabinetts zu-ermöglichen. Di – Figl dementierte jede Rücktrittsabsicht und bezeichnete sie als einen Wunschtraum der Kommunisten. Österreichs Außenminister Dr. Gruber gab zu, die ungenannte offizielle Persönlichkeit zu sein, die die – Presse informiert hatte, offenbar ohne vorherige Rücksprache mit Dr. Figl. Dr. Fischer bezeichnete Dr. Gruber als einen -amerikanischen Agenten. Aus "zuverlässiger Quelle" wurde gemeldet, Dr. Gruber habe sein Rücktrittsgesuch eingereicht; Dr. Gruber dementierte. Die Presse hatte ihre Sensation, und offiziöse Persönlichkeiten im Ausland drückten ihre Besorgnis über die Entwicklung in Österreich aus. Im Wiener Parlament kam es zu einer erregten Debatte. Der kommunistische Antrag auf Einsetzung einer Untersuchungskommission wurde abgelehnt. Der Sprecher der österreichischen Sozialdemokraten, die mit Recht verstimmt waren, daß ihre Kabinettsmitglieder über die-Unterhaltung Figls nicht früher benachrichtigt – worden waren als die Presse, erklärte unmutig: "Österreich ist nicht Ungarn und Wien nicht Budapest,"

Damit war der Sturm im Wasserglas zu Ende, bei dem nur das cherchez In femme fehlte, um ihn zu einem Komödienstoff ersten Ranges zu machen. Während dieses Quodlibet auf dem Parkett der Wiener Politik getanzt wurde, tagte der Vorbereitungsausschuß der vier Großmächte für den österreichischen Staatsvertrag Weiter, Nach wochenlangen Besprechungen hat man sich jetzt über das Verfahren geeinigt, nach dem bei den weiteren Besprechungen gehandelt werden, soll. So könnte man über die Politik in Wien ein altes Wort des Prinzen, von Ligne variieren "Elle danse, mais eile ne marche pas." -l.