Deutschlands Zonen und Länder sind von einerAusstellungsinflation erfaßt. Es drängt sich daher die Frage auf. ob diese fortgesetzte Darstellung einer schillernden Fassade (wie sie auch München wieder beabsichtigt), die von den allzuvielen Propagandagesellschaften inszeniert und den allzu vielen Wirtschaftsverbänden und Behörden unterstützt wird, nicht eines Sinnes entbehrt. Bisher jedenfalls, ist. aus der Messekonjunktur nur die Schlußfolgerung zu ziehen, daß den Trägern der Wirtschaft wie den Käufern wohl kaum geholfen – wurde.

Nun erwarten die Westzonen eine neue große Schau, die "Exportmesse Hannover". Nicht nur Industrie und Handwerk, auch ganz Deutschland hofft wieder einmal auf einen Lichtblick, vielleicht sogar auf die Ankurbelung der im tödlichen Kreislauf verharrenden Wirtschaft. Dürfen wir hoffen?

Die Messe- und Ausstellungs-A.G. gab imponierende Einzelheiten bekannt; 30 000 qm Ausstellungsfläche; Zulassung nur leistungsfähiger Firmen; neue Wege der Unterbringung in- und ausländischer Besucher; Zusage der Unterstützung durch JEIA, VAW Minden, Board of Trade, London; größtes Wohlwollen von Lord. Pakenham und General Robertson; Zuteilung von Rohstoff-Import-Lizenzen; Auslandsreklame in acht Sprachen; Einrichtung einer Exportbörse. – Es scheint also, daß von deutscher Seite das mögliche getan wird und daß auch die Militärregierung das ihre beiträgt.

Die Entscheidung aber liegt allein beim ausländischen Käufer, dessen psychologischeEinstellung uns unbekannt und durch Propaganda (zwei Jahre nach einem Kriege) wohl kaum zu beeinflussen ist. Hoffen wir auf. große Abschlüsse, auf Überlassung von Rohstoffen, auf Lohnveredelungsgeschäfte; hoffen wir, daß uns keine Enttäuschung bereitet wird. W–n