Eine "gewisse Anzahl" von Personen sei verhaftet worden, da ihre politische Tätigkeit die vom Gesetz vorgeschriebenen Grenzen nicht eingehalten habe. Sie hätten den Frieden stören, Revolten und Rassenverfolgungen einfühlen wollen. Auch sei ihr Zweck die Bildung unterirdischer Organisationen gewesen, deren Aufgabe Terror und Sabotage hätte Sein sollen. Diese Erklärung gab die rumänische Regierung Anfang Mai und kündigte, sobald die Untersuchungen abgeschlossen seien, öffentliche Aburteilung ter Schuldigen an. Die versprochenen Prozesse haben bie jetzt noch nicht stattgefunden. Nun haben Großbritannien und die USA scharfe Protestnote nach Bukarest gerichtet, in denen festgestellt wird. daß die gegenwärtige Politk Rumäniens zu ein abgegebenen Versicherungen und den Verpflichtungen des Friedensvertrages, welcher dem runänischen Volk weitgehende Rechte verleiht, m direkten Gegensatz steht. In der britischen Note werden die Mehoden der rumänischen Regierung unumwunden mit denen der Gestapo verglichen.

Rumänien hat gegenwärtig eine Regierung, ähnlich wie in den anderen Balkanstaaten aus einer Koalition unter kommunistischen Einfluß zusammengesetzt ist. Zu dieser Koalition des Bröckes der demokratischen-Parteien gehören außer den Kommunisten die Splittergruppen der Sozialisten. Agrarier und der Nationalliberalen. Im Gegensatz 20 den Verhältnissen in Jugoslawien und in Bulgarien haben die Kommunisten nicht als Schlüsselministerien in ihrer Hand, aber anscheinend nur deshalb, weil sie noch keine geeigneten Personen für solche Posten haben. Sie.stellen für das Kabinett den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Minister für Industrie und Handel. Georgia-Dej, sowie die Minister des Innern, der Justiz und des Verkehrs während der Ministerpräsident Grona der Bauernfront und der Außenminister Tataressu der Nationalliberalen Partei angehören.

Um die Wahrheit zu sagen, hat es in Rumänien praktisch nie eine kommunistische Partei gegeben. Sie wurde bald nach ihrer Gründung (nach den ersten Weltkrieg) verboten und führte bis Ende des zweiten Weltkrieges in der Illegalität ein bedeutungsloses Dasein. Es scheint, daß der Kommunismus den Rumänen nicht sehr liegt; der rumänische Arbeiter und Bauer ist politisch weniginteressiert und die Intelligenz in der Regel wohl zu merkantil. Es wird – sicher nicht ganz zu Unrecht – behauptet, daß die kommunistische Partei Rumäniens auch heute noch nicht über mehr als einige hundert wirklich zuverlässige und loyale Mitglieder verfüge, während die große Masse konjunkturbedingte Mitläufer seien. Die prominenteste Persönlichkeit in der kommunistischen Partei, eine Frau namens Anna Pauker, die lange in der Sowjetunion lebte und die sowjetische Staatsangehörigkeit besitzt, hat entscheidenden Einfluß auf die Regierungsgeschäfte, ohne daß sie Kabinettsmitglied ist.

Rumänien macht auch der, Form nach in der Regierung eine Ausnahme von den übrigen Ländem unter sowjetischem Einfluß. Die Stellung des jungen. Königs Michael scheint vorläufig noch nicht gefährdet zu sein, obwohl einige Anzeichen dafür vorhanden sind, daß er nicht mehr die Gunst des gegenwärtigen Regimes genießt. So wurde in Gegensatz zu früher anläßlich verschiedener Feierlichkeiten sein Porträt nicht mehr mit denen von Stalin und anderen höheren Würdenträgern ausgestellt. König Michael, der eine – gewiß nicht leichte Rolle zu spielen hat, zeigt nicht unbedeutende staatsmännische Eigenschaften. Die überwältigende Mehrheit der Rumänen die das gegenwärtige Regime haßt, ist oft von ihrem König enttäuscht, weil er nicht versucht hat, sein Volk in einen Konflikt mit der Regierung zu verwickeln. Der König scheint aber der Notwendigkeit eine weitsichtigeren Politik nicht ausweichen zu wollen

Wirtschaftlich befindet sich Rumänien in eine sehr schwierigen Lage.Dieses Land, das, einst bedeutende Überschüsse an Getreide und Mais vergeben konnte, ist heute nicht mehr in der Lage, sich selbst zu. ernähren. Die Verwertung der Bodenschätze, die Erzeugung von Lebensmitteln. Holz um Öl sowie auch die Industrieerzeugnisse sind bis zu: Hälfte des Vorkriegsniveaus gesunken. Die Gründe dafür sind nicht nur in den unmittelbaren Folgen des Krieges und den schlechten Ernten zu suchen. Neben der Landwirtschaft, die von der Dürre in den letzten zwei Jahren und der Bodenreform sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde,-ist die Wirtschaft auch durch einschneidende Veränderungen in ihrer Entwicklung sehr gehindert. In dem Bestreben der Besatzungsmacht, ihren Einfluß auch im Außenhandel des Landes nach der Räumung, zu sichern, wurden in Rumänien sowjetisch-rumänische Handelsgesellschaften gegründet, die weitaus größere Privilegien genießen als alle übrigen Firmen. Ähnlich steht es mit dem Verkehr und der Industrie. Die Erdölgewinnung ist völlig in russischer Hand. Die Sowjets haben sich die Ausbeutung des Erdöls als Reparationsleistung für acht Jahre gesichert und gründeten einen sowjetischrumänischen Erdölkonzern An diesem Konzern, Sovrompetrol genannt, ist die Sowjetunion mit den beschlagnahmten deutschen Anteilen der rumänischen Erdölförderung beteiligt. Die Gesellschaft besitzt besondere Vorrechte bei der Ausbeutung der Erdölvorkommen sowie Steuer- und Abgabeprivilegien... die den übrigen Gesellschaften nicht zustehen. Dazu kommt noch, daß der’sowjetische Anteil an den Gewinnen der Gesellschaft der Sowjetunion. in Dollar ausgezahlt wird, während die übrigen ausländischen Interessenten in rumänischer Währung abgefunden werden ...

Diese Verhaltnisse bringen das Land wirtschaftlich durcheinander und vergrößern die Unzufriedenheit im Volk noch mehr. Die beiden wichtigsten Oppositionsparteien – die Nationale Bauernpartei Manius und die Nationalliberale Partei Bratiahus sowie die Gruppe der Sozialisten – haben die überwältigende Mehrheit des rumänischen Volkes hinter sich. Sie gewinnen ständig neue Anhänger, weil die Rumänen von ihnen die Beseitigung der gegenwärtigen Mißstände, erhoffen; sie erwarten von ihnen die Beseitigung des Regimes und einen erfolgreichen Widerstand gegen die Kommunisten und ihre ausländischen Herren. Ob allerdings, die Hoffnung berechtigt ist, daß die jetzige Regierung nach Abzug der Besatzungsmacht sich keinen Tag mehr wird halten können, ist zweifelhaft.

Gerade um das zu verhindern, also um ihr Regime auch für später, zu sichern, scheint die Regierung die erwähnten Verhaftungen durchzuführen. Die Welle der Verfolgungen datiert auch jetzt noch. an. "Es sprechen alle Anzeichen dafür, daß die Kommunisten, ähnlich wie in den Nachbarländern, entschlossen sind, ihr Regime für die Dauer zu festigen und unter allen Umständen zu stabilisieren. Ob dabei auch einige unzuverlässige oder nicht mehr nützliche Demokraten, wie Premier-, minister Groza und Außenminister Tatarescu, ihnen zum Opfer fallen werden und ob König Michael als nützliche Figur noch beibehalten wird, bleibt abzuwarten. A. B.