FürSie kommen höchstens fünf Jahre Gefängnis in Betracht", sagte der ungarische Regierungspressechef beruhigend zu den ausländischen Jour- nalisten, "die Todesstrafe ist ausschließlich Landeskindern vorbehalten." Die auswärtigen Pressevertreter hatten sich erkundigt, ob die Stufen, die das neue ungarische Pressegesetz vorsieht, auch auf sie zutreffen würden. In diesem Gesetz heißt es nämlich, daß "jeder, der wahre oder falsche Berichte veröffentlicht, die den Ruf der ungarischen Republik im Inland oder Ausland schädigen", vor Gericht gezogen wird. Nun hatte erst vor kurzem, als das seltsame Gesetz im Parlament verabschiedet wurde, der Justizminister den gleichen ausländischen Journalisten auf die gleiche Frage geantwortet: "Nein, ich gebe ihnen mein Wort, daß es sich nicht auf Sie bezieht." Diese Feststellung ist erstens wahr und zweitens wenig geeignet, das Ansehen der ungarischen Republik zu fördern. Wer dies berichtet, wäre also durch diese Nachricht bereits verloren, vorausgesetzt, sie hätten ihn. Es wird schwer halten, nicht in die Maschen dieses Gesetzes zu geraten. Man kann nach unserer Auffassung, zum Beispiel nicht verschweigen, daß bei der Kritik des wirtschaftlichen Dreijahresplans im Parlament der Führer der ungarischen Freiheitspartei den Ruf ausstieß: "Mein Leben ist in Gefahr!" – was wiederum erstens wahr ist. und zweitensein recht schlechtes Licht auf die derzeitigen Verhältnisse in Ungarn wirft. Und wenn etwa gar ein Journalist erzählen wird, was er weiß, wenn wieder einmal ein Regierungsmitglied ins Ausland flüchten sollte, so steht zu befürchten, daß die Nachsicht Ungarns mit den ausländischen Journalisten doch einmal ein Ende haben könnte. In etwas vertretern Deutsch hieße die Konsequenz: dann rollen eben Köpfe. Lz.