Eine Schicksalslaune fügte es, daß zweimal nacheinander der zweitgeborene Königssohn den englischen Thron einnahm Eduards Vil. Ältester starb vorzeitig, und Georgs V. unmittelbarer Nachfolger dankte nach kurzer Regierung ab. So kam es, daß 1937 das Kind Elisabeth als mutmaßliche Erbin von Krone und Szepter anmutig im Krönungszug einherschritt. Heute – einundzwanzigjährig und mit dem Leutnant Philip Mountbatten verlobt, der einmal Prinzgemahl heißen wird – ist die unter der Anteilnahme eines Imperiums herangewachsene Prinzessin schon mit mancher Repräsentation des Thronfolgers betraut, sie begleitet das Königspaar auf politischen Reisen, spricht über den Rundfunk zu den Völkern des Weltreichs. Ihre Kindheit ging während der schwersten Prüfung Englands zu Ende, so daß das hätte Leben unserer Zeit unmittelbar mitgewirkt hat an ihrer Erziehung, ohne indes dem ihr nachgerühmten Scharm, der heiter-jugendlichen Zuversicht Abbruch zu tun. In einer Radioansprache – in Kapstadt fand sie glückliche Worte für die Gleichaltrigen im ganzen Reich daß sie den Eltern einen Teil ihrer Bürde abnehmen und helfen dürften, die Welt in Ordnung zu bringen. "It is the great opportunity for you and me!" sagte sie.

Die allgemeine Teilnahme an der Verlobung, die der Neigung entsprang und keiner politischen Rechnung, war ungeheuer; man kann sie an der Fülle von Bildern, an der Ausführlichkeit der Berichte, an den Bergen. von Glückwünschen ablesen. Kein Zweifel: England, das zur Zeit eine sozialistische Revolution durchmacht, empfindet monarchischer denn je. Das liebenswerte Bild eines jungen Mädchens kommt diesen? Gefühl entgegen. Ebenso stark spricht mit, daß man in Elisabeth die Glücksbringerin sieht - es waren Königinnen, die den stolzesten Zeitaltern des englischen Aufstiegs ihren Namen gaben. Ein neues elisabethanisches Zeitalter, seine ordnende Macht gepaart mit Glanz und Wohlstand des Viktorianischen – das ist ein Wunschtraum, der ein Volk wohl zu beflügeln vermag!

Die Verfassung hat der Krone wenig Rechte belassen; daß der bedeutenden Persönlichkeit auch in engem Rahmen bedeutende Wirkung möglich ist, zeigt die Geschichte der Queen und Eduards VII. Vielleicht hat eine kluge, selbstsichere Frau die größeren Chancen, Einfluß zu nehmen, ohne Macht zu haben. Vielleicht hat sie sie erst recht in einem Zeitalter das den Frauen mehr und mehr führende Stellungen einräumt, und ihrer Mitwirkung für die Herrschaft von Frieden und Gerechtigkeit nicht mehr entraten kann.

Lz.