Japan hat auch für die kommende Fangsaison die Erlaubnis zur Teilnahme am Walfang erhalten. Nachdem norwegischeund 7 britische Gewerkschaftsvertreter ihreinternationale Solidarität gegen die Einschaltung Japans und Deutschlands bekundet hatten, übergab die englische Regierung in Washington eine Denkschrift gegen den amerikanischen Beschluß. Die US-Regierung hat dem Einspruch nicht nachgegeben. England ist darauf erneut vorstellig geworden. Die Entscheidung hierüber steht noch aus. Damit ist die eigentliche Kernfrage offen geblieben, ob die beiden japanischen Flotten ihren Besitzer wechseln werden und auch das japanische Volk einer Verschärfung seiner Lebensmittelknappheit ausgesetzt werden wird.

Die drei vorzüglichen deutschen Flotten, die den Krieg überstanden hatten, mußten, im Herbst 1945 ausgeliefert werden. Deutschland, auf dessen Flotten 1939 20 v. H. der Walöl-Welternte entfielen, hat nicht aufgehört, die Wiederzulassung zum Walfang zu fordern, um aus. eigener Kraft und ohne Inanspruchnahme der internationalen Vorräte die katastrophale. Lage seiner Fettversorgung zu mildern. Im Frühjahr hatte die Ärztekammer Nordrhein-Westfalen sich zum Sprecher für den Vorschlag gemacht, die beiden Dampfer „St. Louis“ und „Robert Ley“ in Walfangmutterschiffe umzubauen. In Reden und Aufsätzen haben Minister der deutschen Länder diese Forderung unterstützt. Mitte April wurde vom Kontrollrat erklärt, daß die Frage des deutschen Walfangs Gegenstand einer Viermächtebesprechung sei. Mitte Mai bezeichnete die britische Militärregierung für Nordrhein-Westfalen ein Viermächteabkommen über diese Frage als unwahrscheinlich. Ende Juni wurde die „Robert Ley“ zum Abwracken nach England geschleppt, Am 2. Juli teilte das VAW Minden mit, sein Antrag sei von den „maßgebenden britischen und amerikanischen Stellen“ abgelehnt worden. Vom Kontrollrat liegt anscheinend noch keine Stellungnahme vor. Die USA werden sich auch nicht gegen den deutschen Vorschlag aussprechen können, denn sie haben mit den gleichen Argumenten, mit denen Deutschland seine Vorschläge begründet hat, sich für den japanischen Walfang erklärt.

Deutschland kann angesichts der Hungerkrise seine Forderung nach Zulassung zum Walfang nicht aufgeben. Fangdampfer und Personal stehen zur Verfügung. Es erscheint möglich, die ehemalsdeutsche Flotte. „Abraham Larsen“, jetzt, unter südafrikanischer Flagge, für die deutsche Fettversorgung leihweise so lange einzusetzen, wie die Knappheit der internationalen Fettvorräte und Hemmungen für einen ausreichenden deutschen Export fortbestehen. Der frühere Besitzer dieses Mutterschiffes ist der Unilever-Konzern, der seinen Sitz in London hat und sich auch in Deutschland einen sehr bedeutenden und unangetastet gebliebenen Besitz erworben hat. Die Flotte könnte mit in Deutschland entwickelten Maschinen und Appataten angereichert werden. Vom anfallenden Walöl würde ein nicht unbeträchtlicher Anteil auf die Betriebe des Unilever-Konzerns entfallen. Eine solche Walfangpolitik der Zusammenarbeit ist für die britischen Interessenten fruchtbarer und würde besser als Versprechungen dazu beitragen, das Vertrauen Deutschlands zur Ernährungspolitik zu festigen. E. W.