Als Folge einer gesunden wirtschaftlichen Entwicklung ist die Mehrheit der deutschen Wirtschaftszweige schon immer eng miteinander verbunden gewesen. Und von diesen Kreisen werden die unvermindert starken Schwierigkeiten der Zonenwirtschaft als ganz besonders – nachhaltig empfunden. Als kleines Beispiel die Miederherstellung: Diese Fabrikation ist hauptsächlich im Raum von Stuttgart ansässig. Das größte Unternehmen erzeugte jährlich 42 000 Stück, einen bedeutenden Teil zur Ausfuhr. Das Gummibreitgewebe und die Gummibänder bezog man damals aus Barmen und Krefeld. Auch Gummifäden, Haken und Ösenbänder wurden im Rheinland hergestellt. So gab es also in diesem Fabrikationszweig eine weitgehende Zweiteilung, Vorindustrie im Rheinland und Fertigerzeugung in Süddeutschland, mit jeweils eigenen Betriebserfahrungen.

Im Zuge der Zonenwirtschaft versuchte nun Süddeutschland die fehlende Vorindustrie zu ersetzen. Diese Bemühungen „brachten recht ungünstige Ergebnisse. In Süddeutschland sind nur etwa 25 Gummibandweber beheimatet, darunter fünf bis sechs bedeutende Betriebe. In Barmen und in Krefeld sind dagegen mehr als 600 Betriebe (darunter über 100 große Unternehmen) ansässig. Die süddeutschen Versuche führten zum Aufbau einer äußerst primitiven Erzeugung, die bei wesentlich höheren Preisen in keiner Weise den Qualitätsansprüchen genügen kann.“ Man entnahm u. a. alten Kabeln die Gummifäden und stellte daraus ein neues Gummigewebe her, obwohl das Gummi für ganz andere technische Voraussetzungen angefertigt worden war.

Es hat aber auch nicht an Versuchen gefehlt, durch Zusammenarbeit über die Zonengrenzen zum Ziel zu kommen. Leider plante man aber in Minden nur für die geringfügige Miederindustrie der britischen Zone, und die vorgelagerte Industrie der Gewebe und Bänder wurde nicht ausreichend mit Rohstoffen bedacht. Allein schon die grundsätzlichen Unterschiede in der Rohstofflenkung waren mehr als störend! Süddeutschland kennt nur Positivlisten, in deren Rahmen sich die Produktion frei entwickeln kann. In der Britenzone besteht dagegen das System der unmittelbaren Produktionsanweisung, die leider niemals auf die süddeutsche Miederindustrie Rücksicht nahm.

Aus diesem kleinen Wirtschaftsausschnitt kann man für den Aufbau der Zweizonenwirtschaft sehr viel lernen. Die alten wirtschaftlichen Abhängigkeiten müssen offengelegt und in der Gesamtplanung berücksichtigt werden. Noch halten.sich die Ersatzproduktionen in engen Grenzen, noch würde man sie gern rückgängig machen – wenn man seine alten bewährten Vorlieferer wieder erhält! op.