Die erste interzonale Ausstellung „Trümmerbeseitlgang und Trümmerverwertung“ in Hamburg will zeigen, daß die Behandlung des volkswirtschaftlichen Problem „Trümmer“ aus dem Stadium der wissenschaftlichen Untersuchung herausgetreten ist und die praktische Verwertung der erarbeiteten Grundlagen in Angriff genommen werden, kann. Der Fachmann ist jedoch über die Form und die inhaltliche Gestaltung der Schau – wie so oft bei der deutschen Ausstellungsinflation seit dem Zusammenbruch – enttäuscht:

Für den Veranstalter, die Messe- und Ausstellungs-G. m. b. H., Hamburg, wird es zweckmäßig gewesen sein, die vorhandenen Anlagen am der Ausstellung „Unser täglich Brot“ für eine nächste Ausstellung zu verwenden. Das ist vernünftig. Ebenso hat der Initiator, die Deutsche Studiengesellschaft für Trümmerverwertung durchaus das Recht, die Ergebnisse seiner bisherigen Arbeit zu zeigen und eine Vielzahl van Unternehmern, Erfindern und Wissenschaftlern, die sich aus Gründen des Geschäfts oder als Berufene fühlen, zu einer Ausstellung zu vereinigen. Wird noch in Betracht gezogen, daß die Beschäftigung mit den Trümmern, gleich, ob geistiger oder materieller Art, heute fast die einzige schöpferische Tätigkeit ist, wird die Notwendigkeit für die Berechtigung einer Ausstellung über Trümmerbeseitigung und -Verwertung anzuerkennen sein. Doch ist die Frage offengeblieben, ob das Gezeigte im Sinne einer Ausstellung oder mehr ab Messe zu betrachten ist, ob es einer allgemeinen Belehrung über ein wirklich aktuelles Thema dienen oder ob es Firmen Gelegenheit geben soll, ihre Erzeugnisse einem interessierten Publikum vorzustellen.

Aus der Tatsache, daß der Senator der Baubehörde der Hansestadt Hamburg die Ausstellung offiziell eröffnete, dabei die Opfer an Menschen betont voranstellte, aus der Tatsache, daß die Baubehörde selbst mit einer übersichtlich geordneten Schau aus der Arbeit der Aufräumungsabteilung vertreten ist, hätte angenommen werden können, daß der Charakter einer Ausstellung besser gewahrt worden wäre. So mutet jedoch die Schau wie eine jener Zeitschriften an, in der die ersten Seiten mit guten Gedanken und Abbildungen ausgefüllt sind, und anschließend Reklame und Anzeigen erscheinen, die zum Inhalt geringe oder keine Beziehungen haben.

Rücken wir dem ernsthaften Problem „Trümmer“ damit auf den Leib, wenn gezeigt wird, daß man aus Stroh Wände und aus Ziegel – wie schob immer – Wände und Decken bauen kann? Mit solchen Methoden wird der Ernst beeinträchtigt, mit dem sich beispielhaft das Handwerk (Schlosser, Klempner, Installateure und Heizungsfirmen) mit dem Problem der Reaktivierung von Trümmern gefaßt. Die Reklame und – Anpreisungsstände nehmen einen Raum ein, der besser der Berliner Abteilung „Werte unter Trümmern“ zugute gekommen wäre, die eng und unübersichtlich aufgebaut ist. Dem Nichtfachmann ist es nahezu unmöglich, die ernsthaften Bemühungen technischer, organisatorischer und konstruktiver Art aus der Fülle des Gebotenen herauszufinden.

Warum muß der Bau- und Organisationsplan der oft genannten Sinter-Anlage der Trümmerverwertungs G. m. b. H., Frankfurt am Main, so bescheiden untergebracht sein? Warum wird der Leistungseffekt einer solchen Anlage nicht in Vergleich zu anderen Anlagen gestellt? Warum wird die Herstellung von Trümmersteinen auf Kalksandsteinbasis nicht mit den anderen Bemühungen, Zement zu sparen, zusammengebracht, damit auch der Laie die Zusammenhänge erkennt? Ist es die Aufgabe einer ausstellenden Studiengesellschaft, zu ordnen oder neue Zimmertürschlösser und Deckenkonstruktionen neben Farbanstrichen und Rostschutzmitteln – Bauelementen, die mit Trümmern nichts zu tun haben – zufällig zur Schau zu stellen? Ausstellung und Messe, Geistiges und Geschäftliches stehen einander fremd gegenüber und sollten, auseinandergehalten werden.

Es kommt nicht darauf an, als erster und schnell „etwas“ auszustellen. Zu dem „Was“ hat das „Wie“, zu dem Inhalt die Form zu treten, die selbst unter primitiven Verhältnissen und Bedingungen einer geistigen Haltung entsprechen muß. Oberbaudirektor Meyer-Ottens