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In Paris begann die Konferenz der europäischen Länder, auf der über den Marshallplan beraten wird. Von den 22 Nationen, die eingeladen waren, nehmen 14 teil. Albanien, Bulgarien, die Tschechoslowakei, Finnland, Ungarn, Polen, Rumänien und Jugoslawien blieben der Konferenz fern.

Die Tschechoslowakei zog ihre Zusage für die Pariser Konferenz im letzten Moment mit der Begründung zurück, daß die anderen slawischen Staaten den Beratungen fernbleiben würden und eine Beteiligung der Tschechoslowakei als ein gegen die freundschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion gerichteter Akt ausgelegt werden könnte. Auch Finnland begründete sein Fernbleiben damit, daß der Plan zu ernsten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Großmächten geführt habe und Finnland sich aus internationalen Konflikten heraushalten wolle.

Außenminister Marshall forderte in einer Rede die USA-Gouverneure auf, sein Europa-Hilfsprogramm zu unterstützen. Die Vereinigten Staaten müßten, erklärte er, ihren unschätzbaren Einsatz in Europa durch eine erweiterte Wirtschaftshilfe beschützen oder erleben, daß der Kontinent sich von der Demokratie abwendet.

Lord Vansittart schreibt in einem Artikel, es dürfe keine Zeit mit Annäherungsversuchen an den Kreml verloren werden. Der Kreml wünsche keine europäische Lösung, sondern erwarte aus Chaos und Elend ein Wachstum des Kommunismus. Kommunisten wie Nazis strebten nach der Weltherrschaft, und es sei wenig Unterschied in der Außenpolitik Molotows und Ribbentrops.

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Unter den führenden Österreichern bestehe wachsende Furcht, daß das Marshall-Angebot im Hinblick auf den sowjetischen Widerstand unausbleiblich zu einer Teilung Österreichs in zwei wirtschaftlich und politisch verschiedene Blocks führen werde, berichtet Reuter aus Wien.

Der sowjetische Vertreter beim Alliierten Kontrollrat für Österreich protestierte gegen den Beschluß der Vereinigten Staaten, die für die Besatzungsausgaben erforderlichen Schillingbeträge mit Dollars zu kaufen, da durch diese Maßnahme Österreich in völlige Abhängigkeit von den USA geraten würde.

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In Griechenland wurden über 2600 linksgerichtete Elemente und Kommunisten verhaftet, da sie angeblich einen Putsch vorbereitet hätten.

Kardinal Griffin, der römisch-katholische Erzbischof von Westminster, richtete ein Gesuch an die UNO in Jugoslawien eine Untersuchung „wegen der dort begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ durchzuführen. Der Erzbischof wies auf die Verfolgungen hin, denen die Vertreter der katholischen Kirche in Jugoslawien ausgesetzt seien.

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Ägypten erhob bei der UNO eine Klage gegen Großbritannien auf Räumung Ägyptens und des Sudans von britischen Truppen.

In den britisch-russischen, Handelsbesprechungen sind neue Schwierigkeiten aufgetaucht. Nach Radio London besteht aber immer noch Hoffnung, doch zu einer Vereinbarung zu gelangen. Für einen Ausgleich zwischen Großbritannien und der Sowjetunion setzte sich der Labour-Politiker Professor Laski auf einer Parteiversammlung ein. Er erklärte: „Wir wollen kein wirtschaftliches Dünkirchen und auch kein 49. Staat der USA werden.

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Nach 18monatiger Beratung haben die elf in der Fernostkommission. vertretenen Nationen eine Einigung über die Grundsätze der politischen und wirtschaftlichen – Kontrolle Japans erzielt, gab General MacArthur bekannt. Danach wird Amerika selbständig die Verwaltung weiterführen. Gegen grundsätzliche Beschlüsse, hat die Fernostkommission ein Einspruchsrecht.

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Die chinesische Regierung protestierte erneut bei ... den Regierungen der Sowjetunion und der Äußeren Mongolei wegen der Angriffe auf chinesische Stellungen in der nordwestlichen chinesischen Provinz Sinkiang. In einem Kommuniqué des chinesischen Außenministeriums wird der Sowjetunion vorgeworfen, daß sowjetische Flugzeuge die mongolischen Streitkräfte bei ihrer Grenzverletzung unterstützt hätten.

TASS wies die Beschuldigungen der chinesischen Regierung zurück, daß-die Sowjetunion China die Einsetzung einer Zivilverwaltung in Port Arthur und Dairen verweigert habe.

In den Vereinigten Staaten und England werde die Möglichkeit erwogen, Deutschland zur Modernisierung der Ruhrkohlenbergwerke eine Anleihe von mehr als 300 Millionen Dollar zu gewähren, erklärte nach einer U.P.-Meldung General Clay. Eine britische Abordnung werde nach Washington fahren, um das deutsche Ruhrkohlenförderungsproblem mit amerikanischen Regierungsstellen zu erörtern.

Die britische Regierung habe ihre Haltung in der Frage der Verstaatlichung der Kohlenbergwerke in der britischen Zone Deutschlands nicht geändert, erklärte der Staatssekretär im britischen Außenministerium Mayhew.

Ein Gesetzentwurf, der die Bemannung und Führung stillgelegter amerikanischer Liberty-Schiffe mit deutschen und japanischen Mannschaften für Lebensmitteltransporte nach diesen Ländern ermöglicht, wurde vom amerikanischen Kriegsminister Patterson beim Kongreß eingebracht.

Der französische Staatspräsident Auriol erklärte, daß Frankreich nicht auf sein Recht auf Reparationen verzichten werde.

Auf dem Parteitag der LPD der Ostzone in Eisenach wurde Dr. Wilhelm Kuelz gegen die Stimmen des Berliner Landesverbandes zum ersten Vorsitzenden wiedergewählt. Die Berliner hatten, die bisherige Politik der Parteileitung kritisiert. Der Vorsitzende der LDP in Berlin erklärte nach dem Parteitag vor Pressevertretern: „Wir möchten nicht, daß die LDP Gefahr läuft, berechtigterweise der „rechte Flügel der SED“ genannt zu werden.“

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„Die CDU darf nicht in ein Zwielicht gerückt werden, als diene sie der Förderung einer anderen Auffassung von Demokratie“, erklärte der CDU-Vorsitzende, Jakob Kaiser. „Die Zusammenarbeit mit dem Osten ist nicht möglich um den Preis der politischen Eigenständigkeit der CDU.“

In Darmstadt Würde eine Deutsche Wählergemeinschaft gegründet, die es sich zur Aufgabe stellt, den Grundsatz zu verbreiten Und durchzusetzen, daß Personen statt Listen gewählt werden, daß die Parlamente sich primär aus Abgeordneten der Wahlkreise statt aus geschlossenen Fraktionen der Parteien zusammensetzen und daß diese Abgeordneten durch Mehrheitsentscheidung der Wähler, und nicht nach dem Verhältnis der Stimmenzahlen berufen werden.

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Die Denkmäler der Siegesallee in Berlin sollen auf Grund eines Magistratsbeschlusses abgebaut und die noch erhaltenen Marmorstatuen im Märkischen Museum untergebracht werden.

Wegen Unterlassung der Beflaggung anläßlich der Durchfahrt französischer Generale wurde die Stadt Wittlich mit einer Geldbuße von 20 000 Reichsmark belegt.

Die deutschen Techniker und Ingenieure, die vor einigen Monaten nach der Sowjetunion gingen, schicken, wie die „Tägliche Rundschau“ berichtet, in beträchtlichem Umfange Lebensmittelpakete aus der Sowjetunion an ihre Angehörigen in Deutschland.

Auf der Sitzung des Zonenbeirats für die britische Zone wurde der Entwurf der britischen Militärregierung über die Bodenreform vom Plenum abgelehnt. Entgegen den uneinheitlichen Beschlüssen des Agrarausschusses wurde der wichtigste Punkt eines SPD-Vorschlages, die Höchstgrenze des Eigentums auf 100 Hektar oder einen Einheitswert von 130 000 Reichsmark festzusetzen, mit knapper Mehrheit angenommen. A. B.