Es ist für uns überaus bedrückend, ständig als Bittsteller den Militärverwaltungen entgegenzutreten. Wir wünschen nichts sehnlicher als eine möglichst baldige Beendigung dieses auch von uns als unwürdig empfundenen Zustandes.“ Das ist unzähligen Deutschen aus dem Herzen gesprochen. „Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt,“ so möchte man den Männern zurufen, die sich in einem gemeinsamen Schreiben an die höchsten alliierten Dienststellen in der britisch-amerikanischen Zone einfach und deutlich zur Lage Deutschlands geäußert haben. Diese Männer sind die Vorsitzenden der Verwaltungsräte für Wirtschaft und für Ernährung und Landwirtschaft sowie die acht Wirtschaftsminister und die acht Minister für Ernährung und Landwirtschaft der vereinigten Zonen.

In diesem Schreiben der deutschen Verwaltungsstellen liegt der Akzent auf dem Klären, nicht auf. dem Klagen. Schon das ist ein überaus begrüßenswerter Schritt zu eigener Initiative. Mit Streiks, Demonstrationen und Amtsniederlegungen kommen wir nicht vom Fleck; das wäre eine knabenhafte Politik im Stil des „es geschieht meinem Vater ganz recht, wenn ich mir die Finger erfriere; warum kauft er mir keine Handschuhe!“ Dagegen ist es nützlich, mit selbstmitleidloser Deutlichkeit festzustellen, wo wir eigentlich stehen, wie die Verantwortungen verteilt sind und welche Initiativen fehlen.

Die Diagnose lautet:

Das Hauptübel ist die völlig unzureichende Ernährung, die zur Folge hat, daß Arbeitsfähigkeit und Arbeitswille immer weiter sinken müssen.

Das zweite Übel ist der Währungsverfall, der das Bewirtschaftungssystem zunehmend funktionsunfähig werden läßt.

Das dritte Übel ist der Mangel an notwendigen Roh- und Hilfsstoffen und die zusätzliche Verknappung der wenigen uns verbliebenen Rohstoffe durch Exportauflagen für Kohle und Holz.

Das vierte Übel ist eine lähmende Steuergesetzgebung, die jeden Leistungswillen tötet.