Einer neuen Verhaftungswelle in Rumänien – der wievielten? – ist jetztmit einer Anzahl anderer führenderMitglieder der Nationalen Bauernpartei auch der 74 jährige Juliu Maniu zum Opfer gefallen. Einige der Führer seiner Partei, deren Präsident er ist, sollen bei dem Versuch überrascht worden sein, mit einem Flugzeug aus Rumänien zu flüchten. Maniu wird von der kommunistischen Regierung vorgeworfen, er habe diese Flucht vorbereitet.

Mit der Verhaftung Manius scheint sich in tragischer Weise dasSchicksal eines Mannes zu vollenden, derunter den widrigsten Umständen fünf Jahrzehnte in den Dienstseiner Nation und der Demokratie gestellt hat und der es verdiente, für seinen unbeugsamen Idealismus mehr als nur einDenkmal, zu erhalten. Er hat zweimal die Befreiung Rumäniens erkämpft. Er ist zweimal auf das bitterste enttäuscht worden.

Juliu Maniu führte vor dem ersten Weltkrieg die rumänische Opposition im ungarischen Parlament. Nach derBefreiung und dem AnschlußSiebenbürgens an Rumänien wurde er Anfang der 20erJahre Präsident der rumünischen Nationalen Bauernpartei.Diese Partei, die auch heute die wahre Repräsentation des Landes ist, wurde unter seiner Führung zur stärksten im rumänischen Parlament. 1928, nach einem Wahlsiegohnegleichen, wurde er Chefeiner Bauernregierung, durch deren loyale Haltung zwei Jahre später die Wiederkehr König Carols ermöglicht wurde. Aber kurz darauf, 1930, sah sich Maniu bereits genötigt, mit seiner Partei erneut in die Opposition zu treten.1932 wurde er nochmals für kurze Zeit Ministerpräsident, bis er sich mit König Carol wegen dessenundemokratischer Methoden endgültigentzweite. Unter den autoritären Regimen der 30er Jahre hat Maniu schon seine erste große Enttäuschung erlebt. In dieser Zeit und im Krieg, während die beiden Antonescus herrschten, war ihm die Teilnahme an der Politik so weit verwehrt, daß er nur die Rolle des schweigenden Gewissens der Nation spielte.

Als die deutschen Fronten einstürzten, hoffte das rumänischeVolk noch einmal, ein demokratisches Regime zu erhalten. Auch Maniu glaubte damals, die Zeit der Freiheit werde jetzt wiederkehren. Nach dem Umsturz im August 1944 wurde er Staatsminister und stellvertretender Ministerpräsidentin der Regierung desGenerals Radescu, die sich aber sehr bald als ein Übergangsregime erwies. Bereits 1945 wurde Radescu, mit Hilfe der Besatzungsmacht, gestürzt und ging mit anderen rumänischen Politikern ins Exil.

Maniu blieb zurück, sicherlich in der Hoffnung, durch sein Ansehen vorpolitischer Behinderung oder gar Verhaftung geschützt zu sein. Vielleicht war es gerade sein Ansehen, das jetzt seine Verhaftung hervorgerufen hat. Was nicht einmal die Antonescu-Regierung unternommen hatte, das hat das kommunistisch kontrollierte Regime von heute ohne weiteres getan. Es hat sich durch die große Vergangenheit Marius nicht hindern lassen, ihm dasselbe Schicksal zu bereiten, das jenseits des Eisernen Vorhangs heute jeder Gegner des Kommunismus zu gewärtigen hat. Um so mehr bleibt Maniu ein Zeuge der Demokratie; der Demokratie, auf die er jederzeit vertraut hat.A. B.